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SWR1 3vor8

21MRZ2021
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Es ist eine geradezu dramatische Szene, die heute in den katholischen Kirchen zu hören ist. Es geht um Leben und Tod, Engel und den Satan, Stimmen vom Himmel und den ewigen Kampf von Gut und Böse, den das Gute ein für alle Mal gewinnen wird. Durch den Tod Jesu.
Was genau passiert in dieser Szene? Der Evangelist Johannes beschreibt den letzten öffentlichen Auftritt Jesu. Es ist kurz vor dem Passahfest, einem der wichtigsten religiösen Feste des Judentums. Vermutlich spielt sich die Szene im Vorhof des Tempels ab, zu dem viele Menschen gepilgert sind. Und einige von ihnen wollen Jesus sehen, ihn kennenlernen, von dessen Worten und Taten so viel die Rede ist. Aber statt ihre Neugier zu stillen oder ihre Sehnsüchte nach einem Messias zu erfüllen, spricht er über seinen Tod. Sie treffen auf einen im Grund seiner Seele erschütterten Mann. Der von sich als sterbendem Weizenkorn spricht. Der Sätze sagt wie: „Wer sein Leben liebt, der wird es verlieren. Wer es aber geringachtet, wird es bewahren, bis ins ewige Leben“. Ein gewichtiger, ein für Jesus zentraler Satz, aber leider auch ein sehr missverständlicher Satz. Denn er hört sich total lebensfeindlich an und religiös abgehoben. Wie wenn „wahres“ Leben nur fern von dieser Welt möglich wäre. Aber nein, genau so ist dieser Satz nicht gemeint. Wenn Jesus sagt, dass derjenige sein Leben liebt, es verlieren wird, dann provoziert er zunächst einmal radikal. Indem er das typisch christliche Paradox formuliert: Dass Sterben Leben bedeuten kann! Und zwar bereits hier in unserer Welt: Wenn ich mich zum Beispiel von materiellen Dingen lösen kann. Dingen wie Geld, Besitz oder Wohlstand. Wenn ich mich von zu viel Selbstzentriertheit befreien oder von Zwängen losmachen kann. Wenn ich also das typisch irdische, schwerlastige Leben loslassen kann, dann kann ich schon hier in Kontakt mit dem überirdischen, ewigen Leben kommen. Ein Leben, das hier in dieser Welt, von Mitmenschlichkeit lebt, von gesuchter Gottesnähe und von so großer wie schöner innerer Freiheit. Ein Leben das Jesus von Nazareth offensichtlich so vollkommen gelebt hat, dass selbst sein furchtbarer Tod am Kreuz zu einem fruchtbaren Tod werden konnte. Weil er damit eine zeitlose Brücke geschaffen hat, zwischen unserem begrenzten Leben hier und dem ewigen Leben bei Gott.

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