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SWR1 3vor8

07FEB2021
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Ist das Leben eine immer gleiche Knechterei, ein endloser Kampf, ja ein täglicher Krieg? Diese bleischweren Fragen sind heute Morgen in den katholischen Kirchen zu hören. In einem Text aus dem Buch Hiob. Das Buch Hiob im Alten Testament der Bibel ist ein theologisches Schwergewicht. Weil es eine der zentralen Glaubensfragen mit voller Wucht stellt: Wie kann es sein, dass der gerechte und barmherzige Gott es zulässt, dass guten Menschen Schlimmstes widerfährt? Genau das passiert Hiob, dem rechtschaffenen und gottesfürchtigen Mann. Ihm wird alles genommen, sein Besitz, seine Dienerschaft, seine Kinder und am Ende wird sein Körper mit Hautgeschwüren übersät. Ein Nackenschlag nach dem anderen. Der Ausschnitt aus dem Buch Hiob, der heute in den Kirchen gelesen wird, beschreibt den Seelenzustand Hiobs nachdem ihn seine Freunde besucht haben. Die, statt einfach bei ihm zu sein und ihm irgendwie beizustehen, genau das Falsche tun: sie interpretieren und diskutieren mögliche Gründe für sein schlimmes Schicksal. Als sie endlich weg sind antwortet Hiob auf diese weitere Zumutung mit den eingangs gestellten Fragen und Klagen: ist denn das ganze Leben nur eine endlose Last? Was für mich die beiden wichtigsten Punkte dieses Teils aus dem Buch Hiob sind: dass man bei Menschen in tiefster Not am besten den Mund hält. Dass man keinen billigen Trost zu spenden versucht und sich schon gar keine Erklärungen oder Suche nach Gründen anmaßt. Und dass derjenige, der schlimmstes Leid erfährt, nicht nur fragen und klagen darf, sondern soll, wenn ihm danach ist. Auch und gerade Gott gegenüber. Selbst wenn er darauf keine Antwort bekommt. Und wozu das, könnte man fragen? Was hilft es Hiob? Vielleicht wenigstens sich seelisch Luft zu verschaffen, durch das Hadern, das Protestieren und Lamentieren. Und dadurch bestenfalls so in Kontakt mit Gott zu bleiben, dass er mit ihm durch die Krise hindurchkommt. Und sich auf diesem Weg nicht mehr auch noch mit Fragen plagt, auf die es hier keine Antworten gibt. So jedenfalls scheint es dem Hiob ergangen zu sein. Denn am Ende, nach einem langen und schweren Weg bekommt er alles wieder, ja sogar noch mehr als vorher. Und stirbt dann „hochbetagt und lebenssatt“, wie es am Ende des Buches Hiob heißt.

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