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SWR1 3vor8

06DEZ2020
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(Jes 40,1-5.9-11 und Mk 1,1-8)

 

„Man kann Weinenden nicht die Tränen abwischen ohne sich die Hände nass zu machen“. Wie wahr, diese Lebensweisheit aus Südafrika. Und sie bringt es sehr schön auf den Punkt, worum es beim Trösten geht. Nicht selbst mitzuweinen, nicht mit dem Leidenden zusammen im Leid zu versinken. Sondern ihn berühren und sich selbst berühren lassen. Aber auch nur so weit, dass der Getröstete spürt, dass man weiß wie es ihm geht. Man selbst aber innerlich stabil bleibt.

Um Trost geht es auch in den Texten, die heute in den katholischen Kirchen zu hören sind. Heute, am 2. Advent. In der Lesung spricht Gott durch den Propheten Jesaja dem Volk Israel Trost zu. Und im Evangelium lässt Markus Johannes den Täufer Trost spenden, indem er den Messias ankündigt. Als ultimativen Trost für diese Welt.
Der Advent ist eine Zeit des Trostes. Eine Zeit des tröstlichen Wartens auf bessere, schönere Zeiten. Darum geht und ging es zu allen Zeiten beim Glauben. Für das Volk Israel um die Befreiung aus dem Exil und in seiner Hoffnung auf den Messias. Für die ersten Christen um die Wiederkunft des Auferstandenen. Und heute in unserem Advent geht es um einen Trost, der aus der Hoffnung gespeist ist. Der Hoffnung darauf, dass ein Krieg zu Ende geht, dass der Virus endlich verschwunden ist, dass das ewige Streiten aufhört, dass der Schmerz und die Trauer endlich vorbei sind.


Um diese tiefen und zeitlosen Hoffnungen geht es im Advent. Aber um noch viel mehr. Es geht um die Hoffnung, die in all diesen menschlichen Hoffnungen steckt: dass es einen liebenden Gott gibt als Urgrund aller Hoffnung. Einen Gott, der den Menschen nur gut will. Und sie lehrt, auch einander gut zu sein. Der sie befreit aus allen Versklavungen. Sie erlöst von Düsternis, Krankheit und Tod. Dazu ist er Mensch geworden und so werden Menschen erst richtig menschlich. Darüber zu reden, davon zu künden, werden gottgläubige Menschen nicht müde. Und halten so diese Hoffnung lebendig. Durch alle Zeiten hindurch. Und ganz besonders im Advent. Mit Worten wie die des Propheten Jesaja, die heute in den katholischen Kirchen gelesen werden. Sie beschreiben Gott mit einem geradezu liebevoll-zärtlichen Bild aus der ländlichen Welt Israels vor rund 3000 Jahren:

„Wie ein Hirt weidet er seine Herde, auf seinem Arm sammelt er die Lämmer, an seiner Brust trägt er sie….“

 

Einen schönen 2. Advent wünsch ich Ihnen.
Peter Kottlorz, Katholische Kirche, Rottenburg.

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