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SWR1 3vor8

15NOV2020
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Volkstrauertag. 75 Jahre nach Kriegsende wird weiter an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert. Und nicht nur damals, im 2. Weltkrieg und unter der Herrschaft der Nazis sind Menschen umgekommen. Bis heute gibt es Kriege, in vielen Weltgegenden. Menschen müssen sterben, hungern, haben keine Zukunft. Einerseits versuchen Soldaten auch aus unserem Land, Frieden zu schaffen. Andererseits töten Waffen aus unserem Land Menschen und hier bei uns wird daran verdient. Die Weltlage ist kompliziert.

Mit dem Gedenken an die Opfer wird immer auch an Schuld erinnert und an Verantwortung. Es ist wahr, die Täter von damals sind tot oder uralt. Aber wie ist es heute: Tragen wir in unserem Land nicht doch auch Verantwortung für das, was geschieht?

In den vergangenen zehn Jahren hat Deutschland insgesamt Kriegswaffen im Wert von fast 17 Milliarden Euro in die ganze Welt verkauft., Das kann man im Rüstungsexportbericht der Bundesregierung nachlesen.

In meiner Gemeinde findet jeden Montag ein Gebet für den Frieden statt. Aber müssten wir, müsste ich nicht vielmehr tun, als beten? Protestieren zum Beispiel? Und die wählen, die versprechen, dass das aufhört?

Ausgerechnet an diesem Volkstrauertag wird in den evangelischen Kirchen über eine merkwürdige Geschichte gepredigt, die Jesus erzählt hat. Da geht es um einen Gutsverwalter, der eindeutig Schuld auf sich geladen hat (Lk 16, 1-9). Und weil er mit einer harten Strafe rechnen muss, überlegt er, was er tun könnte. Einerseits zur Wiedergutmachung, andererseits um sich zu retten. Was ihm dazu einfällt ist clever, aber eindeutig unmoralisch.

Ich habe keine Erklärung dafür, warum Jesus so eine Geschichte erzählt hat. Aber was er am Ende dazu sagt, dass trifft mich und fordert mich heraus: Jesus sagt: „Nutzt das Geld, um euch Freunde zu machen.“

Das Geld nutzen, um sich Freunde zu machen, nicht Feinde! Geld - Nicht um zu verdienen, sondern um gute Beziehungen zu knüpfen! Manche sagen, wenn wir die Waffen nicht exportieren, machen es andere. Aber könnte unser wohlhabendes Land nicht darauf verzichten, am Sterben anderer zu verdienen? Das Geld nutzen! Wegen Armut und Hunger entstehen Konflikte und Kriege: Könnten wir mit unserem Geld nicht mehr tun, um Hunger und Armut zu verringern?

Das Geld nutzen, um Schuld abzutragen. Ich finde, das ist eine gute Idee.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32035