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SWR1 3vor8

25OKT2020
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Deutlich, knallhart und schön. Sind die Worte, die heute in den katholischen Kirchen zu hören sind. Kein Wunder, denn es geht um den Kern des christlichen Glaubens: die Gottesliebe und die Nächstenliebe.
Es lohnt sich die Worte im Originalton zu hören. Im Buch Exodus des Alten Testaments der Bibel spricht Gott zu seinem Volk Israel:
„Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen. Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen. Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit, werde ich auf ihren Klageschrei hören. Mein Zorn wird entbrennen und ich werde euch mit dem Schwert umbringen, sodass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden. Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld, dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Gläubiger benehmen. Ihr sollt von ihm keinen Zins fordern. Nimmst du von einem Mitbürger den Mantel zum Pfand, dann sollst du ihn bis Sonnenuntergang zurückgeben; denn es ist seine einzige Decke, der Mantel, mit dem er seinen bloßen Leib bedeckt. Worin soll er sonst schlafen? Wenn er zu mir schreit, höre ich es, denn ich habe Mitleid.“
So also ist er, der Gott der Juden und Christen: gerecht, streng und voll Mitleid mit den Armen, Schwachen und Unterdrückten. Und es passt perfekt, dass im heutigen Evangelium zu hören ist, wie Jesus hunderte Jahre später die untrennbare Verbindung von Gottesliebe und Nächstenliebe beschreibt. Im Matthäusevangelium steht wie er von den Gesetzeslehrern gefragt wird, welches er für das wichtigste religiöse Gebot hält. Und er antwortet ihnen:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ An diesen beiden Geboten hängt alles, von ihnen hängt alles ab. Sie sind ist die kompakteste Kurzfassung des christlichen Glaubens. Denn wenn ich Gott so sehr liebe, mich seelisch so auf ihn ausrichte, dann kann ich gar nicht anders als auch die Menschen zu lieben. Sie sind ganz natürlich hereingenommen in diese Liebe. Und ich kann sie mit all ihren Stärken und Schwächen im Lichte Gottes sehen. Und da wird vieles klarer, heller und schöner. Aber auch strenger und gerechter, wenn Menschen unterdrückt, ausgebeutet oder misshandelt werden.

 

Bibelstellen:Ex 22, 20-26 und Mt. 22, 34-40

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