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SWR1 3vor8

20SEP2020
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Am Anfang war das Paradies, erzählt die Bibel. Da hat Gott die Menschen geschaffen. In der Sprache der Bibel: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“ (1. Mose 2,7) In den evangelischen Gottesdiensten wird das heute vorgelesen und in der Predigt erklärt.

Alles menschliche Leben hat damit angefangen, dass Gott Menschen geformt hat. Das ist keine biologische Erklärung, sollte es wahrscheinlich auch nie sein. Das ist eine Erzählung darüber, was Menschen sind. Gottes Geschöpfe. Gott gibt ihnen Gestalt – und: er haucht ihnen seinen Atem ein. Dadurch erst sind die Menschen lebendige Wesen. Wesen, die den Atem Gottes in sich haben, seinen Geist. Was Menschen lebendig macht, das ist der Geist Gottes. Und wir Christen glauben: Das gilt für uns alle, für Sie und mich, für Schwarze und Weiße, für Juden, Muslime, Christen und alle anderen. In jedem Menschen lebt Gottes Geist.

Gott wendet sich den Menschen zu – dadurch werden sie lebendig. So, wie bis heute jeder von uns angewiesen ist darauf, dass sich andere zuerst einander und dann ihm zuwenden. Eltern, aus deren liebender Vereinigung ein Kind entsteht. Und die sich dann diesem Kind zuwenden und es aufziehen. Ohne diese Zuwendung wäre ja keiner von uns am Leben.

Die Schöpfungsgeschichte ganz am Anfang der Bibel erzählt: So war das von Anfang an. Am Anfang hat Gott die Menschen lebendig gemacht. Und allen seinen Geschöpfen hat Gott eine Aufgabe gegeben. Sie sollen seine Schöpfung, seine Erde bebauen und bewahren. Bebauen also: Es sich bequem machen. Säen und ernten, Häuser bauen, Maschinen erfinden, damit das Leben leichter wird und schöner. Und: die Schöpfung bewahren. Nicht ausbeuten, nicht zerstören, nicht verschmutzen und nicht alles verbrauchen, wovon doch auch die Menschen nach uns leben sollen. Gott traut uns Menschen das zu, dass wir das schaffen, erzählt die Bibel. Das klingt wunderbar. Ich finde: Es ist kein Wunder, dass die Sehnsucht nach dieser paradiesischen Welt in uns allen noch immer lebt. Und es ist wunderbar, dass diese Sehnsucht wenigstens ab und zu in besonderen Momenten gestillt wird.

Aber Sie und ich, wir wissen auch: Wir Menschen sind nicht mehr wie die unschuldigen Kinder im Paradies. Wir haben dazu gelernt. Gutes. Und leider auch Böses. Wir haben gelernt, unseren Vorteil zu suchen und uns durchzusetzen gegen andere. Die Schöpfung auszubeuten. Jetzt ist die Welt nicht nur Paradies. Leider. Aber das ist eine andere Geschichte.

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