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SWR1 3vor8

09AUG2020
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Eine Liste schreiben mit Dingen, die Sie gut können und mit ihren positiven Eigenschaften. Könnten Sie das? Eine Liste vielleicht von eins bis zehn oder wenigstens bis fünf: Ich kann gut reden, ich koche gut, ich kann geduldig erklären, ich habe einen grünen Daumen, mein Garten gedeiht und blüht, ich habe Geduld, wo andere längst entnervt aufgeben…

So eine Liste. Ich habe neulich gemerkt, wie schwer das ist. Was ich nicht kann, das fällt mir sofort ein. Aber was ich kann? Gehört sich das, mich selbst zu loben??

Anscheinend bin ich nicht die einzige, der es so geht. Schon die Bibel erzählt von solchen Menschen. Jeremia zum Beispiel war so einer, heute wird in den evangelischen Gottesdiensten an ihn erinnert.

Jeremia sollte Prophet werden, einer, der im Namen Gottes seinen Landsleuten laut sagt, was nicht gut läuft und wie ihr Zusammenleben besser werden kann. Aber Jeremia hat sich das nicht zugetraut. „Ich kann doch gar nicht gut reden“, hat er gesagt. „Und außerdem bin ich zu jung. Die Leute würden mich auslachen.“ Sagen was er nicht kann, das hat er gut gekonnt.

Da macht Gott selbst ihm Mut: „“Fürchte dich nicht …“ hört Jeremia ihn sagen, „ich bin bei dir und will dich erretten.“ (Jer 1, 7) So eine Ermutigung war auch nötig, denn Gott hatte eine schwere Aufgabe für Jeremia. Er sollte seinen Landleuten ins Gewissen reden. Ihnen vorhalten, was nicht gut war in ihrem Verhalten. Ihnen sagen, dass sie in die Katastrophe schlittern würden, wenn sie ihr Verhalten nicht ändern.

Und Jeremia hat es dann wirklich getan! Er hat sich auf Gottes Beistand verlassen und hat den Mund aufgemacht. Seine Worte waren so aufrüttelnd und klar, dass sie bis heute in der Bibel erhalten sind. Durch die Jahrhunderte haben sie immer wieder Menschen berührt und ihnen gezeigt, welches der richtige Weg zu Frieden und gutem Leben ist.

Zu seiner Zeit allerdings wollten die Menschen nicht auf Jeremia hören. Sie sind besinnungslos in die Katastrophe geschlittert. Es ist gekommen, wie er gesagt hat. Das musste Jeremia aushalten.

Im Nachhinein ist man klüger. Heute sehen wir, dass Jeremia seine Sache gut gemacht hat. Obwohl er so große Bedenken hatte. Obwohl er es sich zunächst nicht getraut hat, zu reden.

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