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SWR1 3vor8

19JUL2020
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„Das werden wir dann sehen!“

Diesen Satz hab´ ich in den letzten Monaten oft gehört. Denn was in ein paar Wochen sein wird, lässt sich heute noch nicht sicher sagen. Lange Zeit war unklar, wann man wieder mit Freunden im Biergarten sitzen oder ins Kino gehen kann. Oder wie das mit dem Sommerurlaub sein wird. Einiges davon ist jetzt klarer, doch noch immer lässt sich schwer vorhersagen, wie das öffentliche Leben gestaltet sein wird.

Heute schon erkennen können, was morgen sein wird – darum geht es auch in einem Gleichnis, das Jesus seinen Freunden erzählt und das heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist. Es geht um Weizen und um Unkraut. Darum, dass neben der gewünschten Frucht auch das wächst, was man nicht haben will. Aber wenn man das Unkraut gleich ausreißt, ist das auch für den Weizen gefährlich. Also lieber abwarten. Gehandelt wird erst, wenn geerntet wird.

Mir fällt es oft schwer, erstmal abzuwarten. Ich mache gerne Pläne und will eigentlich am Liebsten von Anfang an wissen, wo es sich lohnt Zeit und Arbeit zu investieren. Aber ich stelle auch fest, dass das nicht immer geht und dass manches erst einmal wachsen muss.

Bei kreativen Ideen ist das zum Beispiel so. Wenn ich gleich anfange, meine Bedenken aufzulisten, hat die Kreativität keine Chance mehr.

Auch bei manchen Problemen muss ich aushalten, dass ich nicht gleich eine eindeutige Lösung parat habe. Und es gibt Menschen, die mir am Anfang eher unsympathisch sind, die ich beim näheren Kennenlernen aber sehr schätzen gelernt habe.

Doch nicht alles wird gut, wenn ich abwarte. Da gibt es leider auch das Unkraut, das wir auf keinen Fall brauchen können. Das Menschen sogar in Gefahr bringen und ihnen schaden kann. Konflikte oder Krankheiten zum Beispiel. Nicht immer gibt es eine Erklärung, wo sie herkommen und warum es sie überhaupt gibt.

Was mich in solchen Situationen zuversichtlicher sein lässt, ist das, was ganz am Beginn des Gleichnisses steht. Dort heißt es nämlich: „Mit dem Himmelreich ist es wie bei einem Bauern, der auf seinen Acker guten Samen aussäte.“

Der gute Samen, das ist die Ausgangsbasis. Egal wieviel Unkraut in meinem Leben auch wächst und wie schwer es der Weizen manchmal hat dagegen anzukommen: Das Gute ist schon da. Dafür hat Gott gesorgt. Ich muss also nicht krampfhaft alles bekämpfen, was schlecht ist, sondern kann versuchen, ein wenig gelassener damit umzugehen. Und darauf bauen, dass das Gute sich schon durchsetzt.

Auch wenn ich heute noch nicht absehen kann, was in der nächsten Zeit auf mich zukommen wird, will ich mit allem rechnen – auch mit dem Guten.

 

Mt 13, 24-30

Mit dem Himmelreich ist es wie bei einem Bauern, der auf seinen Acker guten Samen aussäte. Als alles schliefen, kam sein Feind. Er säte Unkraut zwischen den Weizen und verschwand wieder.

Der Weizen wuchs hoch und setzte Ähren an. Da war auch das Unkraut zwischen dem Weizen zu erkennen. Die Feldarbeiter gingen zum Bauern und fragten ihn: „Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut auf dem Feld?“ Aber er antwortete: „Tut das nicht, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus! Lasst beides bis zur Ernte wachsen. Dann werde ich den Erntearbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut ein!

Bindet es zu Bündeln zusammen, damit es verbrannt werden kann. Aber den Weizen bringt in meine Scheune.“

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