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SWR1 3vor8

19APR2020
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Es ist geradezu ein Idyll, das in der heutigen Sonntagslesung beschrieben wird. In einem Text aus der Apostelgeschichte über das Leben der ersten Christen in Jerusalem. Ich möchte ihn lesen und dann auf die Kirche heute und meinen Glauben hin bedenken.

„Die Gläubigen hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten…Durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens…“

In diesem kurzen Text werden zentrale Elemente des christlichen Glaubenslebens beschrieben. Zu allererst: Gemeinschaft, gemeinsames Brotbrechen und Gebet. Das ist im Kern bis heute so geblieben. Und gerade in den letzten Wochen habe ich gespürt, wie sehr mir das fehlt: der Gottesdienst, der Austausch über die Bibeltexte, das miteinander Beten und die gemeinsame Kommunion. 
Von „Zeichen und Wundern“ ist auch die Rede in diesem Text der Apostelgeschichte. Damit sind Heilungen gemeint. Der christliche Glaube hat sich vor allem auch deshalb so schnell ausgebreitet, weil die ersten Christinnen und Christen geheilt haben, an Leib und Seele geheilt haben. Das gibt es zwar auch heute noch in kirchlichen Krankenhäusern und Psychologischen Beratungsstellen. Aber ich finde noch viel zu wenig. Mehr heilende Seel-Sorge wäre gut in den Kirchen und weniger Sitzungen. Vielleicht lernen wir auch hier aus der Corona-Krise.
Dass die ersten Christen ihr Hab und Gut verkauft und alles miteinander geteilt haben wird gern als Idealisierung abgetan oder als frühchristlicher Kommunismus. Aber es war halt so. Und ohne dass wir das nun 1:1 übernehmen können oder müssen, mag ich die Freiheit, die sich darin zeigt. Dass gott-beseelte Menschen nicht an Materiellem hängen und teilen können. Was jetzt in der wirtschaftlichen Krise so hilfreich wie vorbildlich sein könnte: Reiche Kirchen, die den Armen in der Welt helfen. Materiell und spirituell…

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