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SWR1 3vor8

06JAN2020
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In letzter Zeit geh ich öfter mal runter auf die Knie. Obwohl ich weiß, hinterher das Aufstehen wird ein ziemlicher Act. Aber was man macht man nicht alles, wenn der Enkel auf dem Boden rumkrabbelt. Da geht man als Großer runter auf Augenhöhe mit den Kleinen.

Wenn Sie auch für Kinder in die Knie gehen: da sind wir in bester Gesellschaft. Heute am Feiertag „Dreikönig“. In der Bibel wird ja von den drei Weisen erzählt, die vielleicht auch Könige waren, dass die vor dem Kind Jesus in der Krippe in die Knie gehen.

Allerdings nicht sofort. Fast wären sie vor dem Falschen in die Knie gegangen. Vor König Herodes. Erst musste sie ein guter Stern umleiten. Dorthin wo es richtig ist, in die Knie zu gehen. Vor dem Kind in der Krippe. Weil in ihm Gott Mensch geworden ist.

Der kleine Jesus, mit dem Gott zeigt. Niemand ist zu klein, niemand zu arm, niemand zu schwach – alle sind Gottes Kinder. Und die Welt wird neu und besser, wenn wir Menschen das ernst nehmen: Alle sind Gottes Kinder. Vor allem den Kleinen und Schwachen kommt Gott nahe. Die haben es verdient, dass wir vor ihnen in die Knie gehen. Und ihnen die Achtung entgegenbringen, die ihnen gebührt. Weil sie Gottes Kinder sind. Vor den Großmächtigen in die Knie gehen, das braucht es nicht, das ist nicht christlich.

In den evangelischen Kirchen wird heute zu der Geschichte von den 3 Weisen auch noch aus einem Brief vorgelesen. Da macht einer klar, was die weihnachtliche Geschichte von Jesus und den Weisen noch bedeutet. Auch in diesem Brief an die Christen im türkisch-griechischen Ephesus ist vom Knie beugen die Rede. „Das ist der Grund, weshalb ich vor dem Vater im Himmel meine Knie beuge,“ steht da.

Vor dem Vater im Himmel. Nicht vor einem menschlichen König. Ihm erweist er die Ehre. Warum? Er hat das verstanden und dafür geht er in die Knie: Alle Menschen sind Kinder Gottes. Auch wenn sie nicht zum ursprünglichen jüdischen Gottesvolk gehören.

Alle Menschen egal woher sind. Welchen Geschlechtes. Welchen Glaubens. Alle sind Gottes Kinder, selbst wenn sie es nicht glauben können. Wir Menschen gehören zusammen als Familie Gottes. Wenn man das erfasst, davor darf man schon in die Knie gehen.

Bis das wirklich wird, was wir von Weihnachten her glauben können, kann und muss noch viel passieren. ZB. immer wieder die Knie beugen für die Kleinen. Für Kinder und die sogenannten Schwachen, die Menschlichkeit nötig haben, bei uns im Land. Und überall. Echt Familie Gottes werden.

Bibeltext: Epheser 3,1-7

Das ist der Grund, weshalb ich vor dem Vater meine Knie beuge – ich, Paulus, der ich wegen Christus Jesus für euch Heiden in Haft bin.
2 Ihr habt doch sicher von dem Auftrag gehört, den ich im Hinblick auf euch bekommen habe. Gott hat mir seine Gnade geschenkt, damit ich ihn erfüllen kann.
3 Es geht um das Geheimnis, das Gott mir durch eine Offenbarung gezeigt hat. Ich hatte euch ja zuvor schon kurz davon geschrieben.
4 Wenn ihr das lest, könnt ihr erkennen, dass ich Einsicht in das Geheimnis von Christus habe. 5 Seit Menschengedenken wurde es niemandem in ähnlicher Weise gezeigt. Aber jetzt wollte Gott es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch seinen Geist enthüllen:
6 Die Heiden sind Miterben. Sie sind mit eingegliedert in den Leib von Christus und haben mit Anteil an der Verheißung.
Denn durch die Gute Nachricht gehören auch sie zu Christus Jesus.
7 Ich bin ihr Beauftragter geworden. Denn Gott hat mir seine Gnade zum Geschenk gegeben – ganz wie es seiner Stärke und Macht entspricht.

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05JAN2020
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Heute ist in den katholischen Kirchen ein Satz zu hören, den ich sehr mag. Er hat zu tun mit der Frage wie Gott in dieser Welt erkennbar oder spürbar sein kann. Dabei geht es um den Zusammenhang von Sprache und dem, was wir meinen, wenn wir vom Herzen sprechen. Der Evangelist Johannes sagt am Anfang seines Evangeliums, dass Jesus Christus, „ am Herzen des Vaters ruht“. Dieses „Am Herzen des Vaters ruhen“ finde ich so schön. Weil es ein so liebevolles, friedliches und zeitloses Bild ist. Dieses Ruhen - so sicher und geborgen im Innersten Gottes.
Wenn Wesentliches geschieht zwischen den Menschen und zwischen Gott und den Menschen ist oft vom Herz die Rede. Weil das Herz für das Innerste, Beste und Liebste des Menschen steht. „Ein reines Herz kann Gott sehen“ hat Mutter Teresa gesagt. Oder „Ein Mensch sieht auf das Äußere, aber Gott sieht auf das Herz“ steht im Buch Samuel (1Sam 16,7). Und dabei sind oft Worte der Schlüssel. Als das Medium, durch das Gott zu den Menschen kommen kann. “Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott“, heißt es in dem Johannes-Text der heute in den katholischen Kirchen zu hören ist. Worte können Herzen öffnen, sie können Herzen erwärmen. Und sie können Herzen heilen. Wenn sie einem Menschen zugesprochen werden, dem es schlecht geht. Wenn sie tröstlich und liebevoll sind. Worte können befreien und entlasten. Wenn mit ihnen Schuld eingestanden wird und um Verzeihung gebeten.
Ich denke wenn Menschen ihr Herz öffnen, wenn sie sich von Herz zu Herz nähern, dann sind sie auch Gott nahe. Und Christus, der am Herzen Gottes ruht. Ich stelle mir das vor wie einen unendlich großen Liebesraum. Dessen Zentrum das Herz Gottes ist, zeitlos, unerschöpflich und ansteckend. Warm und hell, voller Geborgenheit und Güte. Ein Raum, in dem Gott und Mensch sich verbinden. In dem die Menschen das Herz im Himmel haben und den Himmel im Herzen…

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