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SWR1 3vor8

29DEZ2019
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Hörensagen: Einer erzählts dem anderen, jeder gibt noch ein bisschen dazu: eine empörende Einzelheit, eine Vermutung, ein Urteil über das, was passiert ist. Am Schluss meinen alle, dass sie Bescheid wissen. Aber man weiß es nur vom Hörensagen. Ist es wahr, was sie sagen?

Vom Hörensagen wissen viele auch von Gott. Was die Mutter gesagt hat oder die Oma. Was Freunde sagen oder Bekannte. Manche haben gute Erfahrungen mit ihm gemacht. Manche reden nur böse und abfällig von ihm. Wem soll man glauben?

Hiob hatte genug vom Hörensagen, erzählt die Bibel. In den evangelischen Gottesdiensten wird heute an ihn erinnert. An Hiob, den Mann den die vielen Hiobsbotschaften getroffen hatten. Seine besten Freunde kamen und haben mit ihm über Gott gesprochen. Du musst gesündigt haben, haben sie ihm gesagt. Und das hast du jetzt davon. Was dir passiert ist, das ist Gottes Strafe.

Die Bibel erzählt, dass Hiob sich wehrt. Er will das nicht glauben. Will auch nicht glauben, dass Gott so böse ist und so hart. Hiob setzt sich mit Gott auseinander. Quälend und lange. Aber irgendwann ist er zufrieden. Ich kann dich nicht begreifen, sagt er. Aber ich glaube trotzdem, dass du es gut meinst mit deinen Menschen. „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen“, sagt Hiob, „aber nun hat mein Auge dich gesehen“ (Hiob 42, 5).

Ich weiß nicht, welche Erfahrungen Hiob gemacht, was Hiob gesehen hat. Die Bibel sagt nichts darüber. Aber heute, knapp eine Woche nach Weihnachten denke ich an die, die Gott gesehen haben. Maria und Josef. Die Hirten auf dem Feld in Bethlehem. Später die Menschen, die dem erwachsenen Jesus begegnet sind. Der Soldat, der gesehen hat, wie er gestorben ist und der gesagt hat: „Dieser ist wirklich Gottes Sohn gewesen.“

Es gab Menschen, die haben Gott erkannt in diesem kleinen Kind im Stall, in dem Mann, der Arme und Kranke geheilt hat und am Ende als Aufrührer hingerichtet wurde.

Allerdings. Auch das ist schon lange her. Auch das kann ich nur hören. Aber Jesus hat ein Kind in die Mitte gestellt und gesagt: Wer diese Kleinen aufnimmt, der nimmt mich auf. In den Kindern kann man Gott sehen! Kinder sind neue Menschen und sie machen Menschen neu. Sie wecken das Gute, was in uns steckt. Vielleicht ist ja deshalb Weihnachten für viele das liebste Fest. Wer Kinder um sich hat, der kann spüren, wie nah Gott ist. Die Kinder zeigen, dass Gott Zukunft gibt und nicht bestraft für das, was war.

Dann braucht man sich nicht mehr aufs Hörensagen von anderen verlassen. Bei den Kindern und den Armen, da kann man Gott sehen. Mit eigenen Augen.

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