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SWR1 3vor8

24NOV2019
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„Denk an mich.“ Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich das zu meiner Schwieger-Oma gesagt habe. Immer wenn wir sie besucht und uns anschließend verabschiedet haben, sind das meine letzten Worte bzw. ist das meine Bitte gewesen. „Oma, denk an mich.“ Besonders wichtig war das vor größeren Ereignissen: Prüfungen, Operationen, aber auch vorm Urlaub oder der Geburt unserer Kinder. Für mich ist damit nicht nur gemeint, dass Oma mich gedanklich begleitet, sondern auch für mich betet. Vor allem dann, wenn ich es nicht kann. Wenn mir die Worte fehlen, wenn eine Situation so schwierig ist, dass ich es alleine nicht schaffe.

Oma hat das gemacht. Sowieso hat sie jeden Abend für alle Enkel, Schwieger-Enkel und Urenkel gebetet. Und sie hat uns versprochen: „Ich denk an Dich. Und wenn das nicht reicht, dann stürme ich den Heiligen Geist.“ Das hat mich total beruhigt. Es ist mir schon klar, dass beten nicht automatisch heißt, dass es auch so klappt, wie ich mir das wünsche. Aber es war eine Riesenunterstützung. Und egal, wie es nachher ausgegangen ist, der Weg dahin war leichter für mich, weil ich wusste, ich bin gedanklich und im Gebet begleitet.

Oma ist vor einem Jahr gestorben. Seitdem fehlt mir das. Wenn wir aus dem Haus gehen, kann ich nicht mehr eben bei ihr vorbeigehen und sagen: „Oma, denkst Du bitte morgen an mich?“ Sie betet nicht mehr jeden Abend für uns alle. Ich hätte das seitdem schon oft gebraucht und bin dann manchmal fast verzweifelt. Wer macht das denn jetzt?

Im Bibeltext, der heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird, kommt dieser Satz auch: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Das sagt einer, der mit Jesus gekreuzigt wird. Der in Todesangst neben ihm am Kreuz hängt. Und Jesus verspricht ihm, dass sie heute noch zusammen im Paradies sein werden.

Der Mann - ich gebe ihm jetzt einfach mal den Namen Ruben - glaubt an Jesus, im Gegensatz zu vielen anderen, die da neben den Kreuzen stehen. Die lachen Jesus aus, verspotten ihn richtig.

Dieses „denk an mich“ zeigt, dass Ruben Jesus als Sohn Gottes erkannt hat und ihm glaubt. Für mich drückt es aber auch aus, dass die beiden da in ihrer Not miteinander verbunden sind. Obwohl aus ganz unterschiedlichen Gründen ans Kreuz gehängt, verbindet sie das. Ruben hat Jesus gebraucht um das auszuhalten und um seine Hoffnung zu bestätigen, dass es nach dem Tod weitergeht.

Ich glaube, dass Jesus auch Ruben gebraucht hat. Als einzigen, der in der gleichen dramatischen und hilflosen Lage gewesen ist und ihn irgendwie verstanden hat.

„Denk an mich“ - das heißt verbunden sein. Und das geht über den Tod hinaus.

Oma fehlt mir. Nicht nur für das „Denk an mich“. Aber unsere Verbindung steht nach wie vor. Anders, aber ich bin sicher, dass sie immer noch an mich denkt. Und ich denke an sie.

Quelle: Lk 23,35b–43

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