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SWR1 3vor8

20OKT2019
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Gott und das Wort. Das ist für mich eine total interessante Kombination. Sowas wie eine Ur-Verbindung.

Los geht´s damit schon ganz am Anfang der Bibel. Vor jedem neuen Schöpfungstag steht: Gott sprach. Gott sprach: es werde Licht, Tiere sollen die Erde bevölkern, lasst uns Menschen machen. Gott hat die Welt durch Worte ins Leben gerufen.

In der Bibel geht es viel um Worte, in ganz unterschiedlichen Situationen. Gott gibt Menschen einen Auftrag. Mose zum Beispiel. Führe mein Volk aus der Gefangenschaft und so sollst Du es dem Pharao sagen.

Oder die Propheten: sie bekommen genau gesagt, was sie tun sollen. Einige sind erstmal weggerannt, weil sie Angst vor so einer großen göttlichen Aufgabe hatten. Aber dann spricht Gott ihnen Mut zu und sie schaffen es.

Was alle Geschichten verbindet: Gottes Wort bewegt was.

Gott und das Wort. Darum geht es auch in der Bibelstelle aus dem Timotheus-Brief, die heute in den kath. Gottesdiensten gelesen wird. Allerdings aus einer neuen Perspektive. Es geht darum, von Gott zu sprechen. Die eigenen Worte klug einzusetzen, um Menschen für Gott zu gewinnen und ihm nahe zu sein. Im Brief steht: „Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, … .“

Gott und das Wort. Am Anfang des Johannesevangeliums wird Gott selbst sogar als das Wort bezeichnet. „Am Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“

Für mich ist das ein klarer Auftrag: kümmere Dich um das Wort. Sei aufmerksam und achtsam, wenn du sprichst. Worte sind mächtig. Sie haben Kraft.

Ich versuche das tatsächlich immer mehr. Wirklich, ich achte darauf, wie ich spreche und ich versuche, meine Worte bewusst zu wählen.

Umso mehr erschreckt mich, was momentan passiert. Da werden von verschiedenen Gruppierungen und Politikern Worte verwendet, die Angst machen oder Ängste schüren. Oder noch krasser, Worte, die sich ganz bewusst an den Jargon des Nazi-Regimes anlehnen. Da ist es möglich, dass ein Politiker von „jagen“ spricht und davon, sich „unser Land und unser Volk zurückzuholen.“

Dass sowas bei uns in Deutschland heute möglich ist, macht mich ratlos. In anderen Staaten sieht es ähnlich aus. Oberste Repräsentanten denken eben nicht mehr über ihre Wortwahl nach und hauen raus, was ihnen gerade so in den Kopf schießt.

Problematisch wird es dann, wenn ich aufhöre sprachliche Bilder oder Begriffe zu hinterfragen. Gerade jetzt müssen wir wachsamer denn je sein, um nicht auf irgendwelche dumpfen Parolen reinzufallen.

Worte, die Menschen sprechen, dürfen nicht trennen. Ich glaube, das ist mein, das ist unser Auftrag als Menschen in der Welt. Ich muss meine Worte so wählen, dass sie verbinden.

Wenn Gott selbst das Wort ist, dann muss ich jedes meiner Worte wie einen Schatz behandeln. Vorsichtig und sanft, gut überlegt und so, dass es nicht nur mir dient, sondern gut ist für die Menschen.

Quelle: 2 Tim 3,14 - 4,2

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