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SWR1 3vor8

01SEP2019
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Wenn gerade alles gut läuft im Leben – wie schön ist das! Die Familie ist gesund, die Kinder kommen selbständig voran. Man kann sich vielleicht schon über Enkel freuen. Die Wohnung oder das Haus sind gemütlich eingerichtet, wenn Besuch kommt, wird vielleicht der gute Geschmack der Hausfrau gelobt. Im Beruf gibt es Erfolge, Kollegen und Mitarbeiter schätzen einen und die Arbeit macht Freude. Man hat es zu einem gewissen Ansehen gebracht. Die Bekannten sagen: Die hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Die hat es zu etwas gebracht. Toll.

 

Es geht einem nicht immer so gut, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber wenn es so geht, dann darf man sich darüber freuen. Man darf auch ein bisschen stolz sein, finde ich. Schließlich habe ich mich eingesetzt und jetzt trägt meine Arbeit Früchte. Natürlich war auch Glück dabei. Und wer an Gott glaubt, wird auch sagen: Gottes hat mir beigestanden. Dafür bin ich dankbar.

Aber natürlich, es gibt auch andere Zeiten. Zeiten, in denen man nicht so zufrieden sein kann. Eigentlich wollte ich es aus eigener Kraft schaffen. Aber dann habe ich einen Fehler gemacht. Oder ein anderer: der hat fahrlässig andere geschädigt. Vielleicht jemanden übers Ohr gehauen. Und das ist womöglich sogar öffentlich bekannt geworden. Jetzt schauen ihn alle verächtlich an. Oder sie gehen auf die andere Straßenseite, wenn sie in seine Nähe kommen. Mit so einem will keiner etwas zu tun haben. Dann kann man sich nur noch verstecken und hoffen, dass einen keiner sieht. Fürchterlich ist das.

In den evangelischen Gottesdiensten wird heute ein Abschnitt vorgelesen, in dem hat Jesus von solchen Leuten erzählt. Von einem Hochangesehenen und von einem anderen auch, auf den alle ein bisschen mitleidig herabsehen. Der vielleicht von sich selber sagt: „Ich habe mich selber da reingeritten. Vergib mir Gott!“ Von dem hat Jesus gesagt: Gott wird ihm vergeben.

Und der andere, der Wohlanständige? Von dem hat Jesus erzählt: Er schaut auf den anderen herab. Er denkt sich: ‚Wie kann man so verlottern? Warum hat der sich so gehen lassen? Konnte er nicht besser aufpassen? Gott sei Dank bin ich nicht so.‘ ‚Mit solchen Leuten ist es so‘, hat Jesus gesagt: Wer sich für besser hält, wer auf die anderen herabschaut – der schaut auf Gottes Geschöpfe herab. Er verachtet sie. Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Besser wäre es ja, ihnen auf die Beine zu helfen.

Für mich ist diese Geschichte eine Warnung. Wenn es Dir gut geht, glaube nicht, dass du besser bist als andere. Sondern hilf denen auf die Beine, die abgestürzt sind.

 (Lk 19, 9-14)

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