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SWR1 3vor8

11AUG2019
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„Glaube ist ein sich stets erweiternder Teich von Klarheit, von Quellen gespeist, die jenseits des Bewusstseinsrands entspringen. Wir alle wissen mehr als das, wovon wir wissen, dass wir es wissen.“ Vom Schriftsteller Thornton Wilder ist dieser Satz. Er passt gut zu einem Text, der heute in den katholischen Kirchen zu hören ist. Denn auch da geht es um den Glauben, ausschließlich darum. Um die Quellen, aus denen sich Menschen nähren, wenn sie glauben: Gottvertrauen, Hoffnung und Zuversicht.

In einer Passage aus dem Hebräerbrief werden Christen ermutigt auf Gott zu vertrauen. Der Verfasser dieses Briefes schreibt rund 50 Jahre nach Christus von Alexandrien aus an eine Gemeinde in Rom. Mit 6 Beispielen beschreibt er ihnen den Sinn und die lebensspendende Kraft des Glaubens. Beispiele aus ihrer Herkunftsreligion, dem Judentum. Ich will nur zwei davon nennen.

Zum einen den Stammvater Abraham. Er bricht alle Zelte ab, im Glauben darauf, dass Gott ihn und die seinen ins gelobte Land führen wird.           Zum anderen seine Frau Sara. Sie hatte den Glauben nicht aufgegeben Mutter zu werden. Und bekam in einem unglaublich hohen Alter noch ein Kind. 

Elternschaft und Migration, nur zwei zeitlose Beispiele existentieller Lebensthemen. Über den Hebräerbrief erreichen sie nun mich und eines meiner Lebensthemen. Bei dem ich Gott vergessen hatte, mein Glaube keine Rolle gespielt hatte! Bei einer Frage, die mich in den letzten Wochen ziemlich umgetrieben hat. Die Frage nach dem Zeitpunkt meines Ruhestandes. Ich könnte spätestens in 4 Jahren meine Erwerbsarbeit beenden, aber auch schon nächstes Jahr. Und diese Wahlmöglichkeit hat mich über Gebühr beschäftigt. Mit all den Fragen, die da rein spielen und die ja alle auch existentielle für mich sind: Gesundheit, Freude an der Arbeit, Geld, Selbstbestimmung und die Möglichkeit neue Dinge zu tun.

Da war ich dermaßen auf mich selbst fixiert, dass ich ganz den lieben Gott vergessen hatte. Seit ich das gemerkt hab, geht es mir besser. Denn ich bin jetzt nicht mehr so verbissen. Ich werde zwar noch immer meinen Kopf benutzen bei dieser Frage und nach meinem Gefühl und in Abstimmung mit meiner Frau entscheiden. Aber ich lasse den Zeitpunkt gezielt offen, weil jetzt Gott mit im Spiel ist. Weil ich darauf vertraue, dass er mich schon spüren lassen wird wann es so weit ist…

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