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SWR1 3vor8

21JUL2019
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Ich glaube, wir Menschen sind zum Helfen geboren. Wir kommen nicht als Egoisten auf die Welt. Ich finde, man muss nur Kindern zuschauen, dann sieht man das. Was macht es Kindern nicht für einen Spaß, wenn sie helfen können. Da schnappt sich der 3jährige den Putzeimer und putzt, wenn ihn die Großen lassen. Und wenn sie ihn loben ist er stolz wie Oskar. Aber ich glaube, er hilft nicht, weil er aufs Lob scharf ist, er macht es, weil er es kann.

Wir Menschen wollen helfen, weil wir es können. Es ist in uns. Von Gott angelegt. Und es tut der Seele gut, wenn man diese Freude am Helfen nicht absterben lässt, auch nicht als Erwachsener. Ich glaube, es ist erstrebenswert, dass ich aufpasse auf das Helferkind in mir, dass ich da nicht völlig rauswachse.

In dem Stück aus der Bibel, das heute in den evangelischen Kirchen dran ist, knüpft Jesus an diese Lust am Helfen an: „Hey, ihr könnt helfen.“ Seinen Jüngerinnen und Jüngern hat er das als Auftrag gegeben:

„Wenn Dir einer, dem es schlecht geht; eine, deren Seele verwundet ist; einen, dem das Leben wie eine Last auf der Schulter liegt, eine Frau, die eine schlimme Diagnose gekriegt hat und nicht mehr schlafen kann vor Angst, einem, dem der Krieg das Leben zum Chaos gemacht hat. Wenn Dir diese Menschen nicht egal sind und Du tust, was Du kannst, dann arbeitest Du mit am Himmelreich. Hier auf der Erde,“ hat Jesus allen Ernstes gesagt.

Und speziell für mich als Erwachsenen hat er noch etwas dazu gefügt: Ich soll auf dieses Geschenk, dass ich helfen kann und will, aufpassen. Und aufpassen, dass ich dieses Geschenk nicht primär gebe, damit ich gelobt werde oder als Helfer groß rauskomme.

Für uns Christen finde ich das wichtig. Nicht helfen, damit wir als Kirche gut dastehen. Aber auch nicht als Rotes Kreuz oder Greenpeace oder wer auch immer. Hilfe gönnen, weil es um Menschen geht. Weil wir Not lindern können. Damit die Erde ein bisschen mehr nach Himmel schmeckt. Und nicht für manche zur Hölle wird.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Es gibt viele Situationen, da braucht es professionelle Helfer. Und sie müssen von ihrer Arbeit auch gut leben können. Aber es braucht noch mehr. Es braucht Sie und mich mit unseren Fähigkeiten, im Alltag zu helfen. Da, wo man einen Mitmenschen braucht und wo der Profi nicht nötig ist.

Es ist gut, wenn ich mir auch als Erwachsener die kindliche Urfreude am Helfen bewahre. Dann kann ich auch stolz darauf sein, dass ich so am Himmelreich mitwirken kann.

Bibeltext: Matth 10,7-8
Jesus forderte seine Jünger auf:
Geht zu den verlorenen Schafen .. und verkündet ihnen:
„Das Himmelreich wird sichtbar in der Welt!“
8 Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, befreit Menschen vom Aussatz, treibt Dämonen aus!
Als Geschenk habt ihr alles bekommen – als Geschenk sollt ihr es weitergeben!

 

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