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SWR1 3vor8

07JUL2019
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Elisabeth von Thüringen vielleicht, die zu ihrer Zeit Arme und Kranke versorgt hat, obwohl ihre Familie gesagt hat: „Du spinnst doch?“ Dietrich Bonhoeffer, der für seine Überzeugung im Gefängnis saß und dort Mitgefangene getröstet und aufgebaut hat? Malala Yousafzai, die junge Frau aus Afghanistan, die sich für Mädchenbildung in ihrem Land einsetzt und dafür beinahe gestorben wäre? Mutter Theresa? Oder Dennis Mukwege, der als Arzt vergewaltigten Frauen im Kongo hilft?

Lauter große Namen. Lauter gute Menschen. Vorbildlich setzen sie sich für andere ein. Nehmen Opfer auf sich. Versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Großartig. Lauter Vorbilder, jeder und jede auf seine Weise. Wie gut, wenn viele so wären.

Ein guter Mensch kann Vorbild sein für andere. Der Apostel Paulus sieht das aber offensichtlich anders. Er nennt sich selber als Vorbild. (1. Tim 1, 12-17) Aber nicht, weil er so fest glaubt, weil er so diszipliniert arbeitet, weil er immer nur für andere da ist. Paulus schreibt von den Fehlern, die er gemacht hat. Er nennt sich einen Gotteslästerer, der nicht an Jesus Christus glauben konnte. Er gesteht, dass er die Christen verfolgt hat, weil er nur von seiner eigenen Wahrheit überzeugt war. Paulus nennt sich selbst einen Sünder, ja, schreibt er in einem Brief an seinen Schüler Timotheus: Ich war der größte Sünder von allen. Über dieses Bekenntnis von Paulus wird heute in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt.

Kann so einer ein Vorbild sein? So ein „Sünder“? Ja, schreibt Paulus. Denn Jesus Christus hat mich zum Vorbild gemacht. Zum Vorbild für alle, die so waren oder so sind, wie ich. Die selber noch gar nicht gemerkt haben, dass sie dabei sind, Fehler zu machen. Die verbohrt sind und sich verrannt haben und keiner traut sich, ihnen die Augen zu öffnen. Für die hat Jesus mich zum Vorbild gemacht. Denn er hat mir die Augen geöffnet. Da habe ich begriffen, dass ich auf dem Holzweg bin. Da konnte ich sagen: Vergib mir meine Schuld. Und Jesus hat mir gezeigt, wie ich neu anfangen kann. Und es besser machen.

Ehrlich gesagt: Ich finde das sehr ermutigend. Denn die großen Vorbilder, die sind mir oft zu groß. Ich mit meinem ängstlichen Herzen, mit meinem beschränkten Verstand, mit meinen vielen Bedenken und all meinen Fehlern: wie soll ich denen nacheifern?

Dabei wäre ich doch auch gern ein guter Mensch. Deshalb hoffe ich, dass Gott mir dabei hilft. So wie dem Paulus. Der ist mein Vorbild.

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