Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

20JUN2019
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Essen. Das ist einfach zentral. Essen hält alles zusammen - Leib, Seele, Familie, Freunde. Bei uns spielt sich das meiste bei einem schönen Abendessen ab. Wir treffen wichtige Entscheidungen, führen tiefgründige Gespräche, halten auch schwere Momente aus. Ich bin sicher, Esstische könnten Bücher schreiben.

In allen biblischen Texten heute geht es ums Essen. Und dieses Essen ist neben der Nahrungsaufnahme immer verbunden mit anderen Aspekten: Zum einen geht es darum zusammen zu sein. Zum anderen darum, dankbar zu sein, sich zu erinnern und andere zu versorgen. Im Neuen Testament kommt noch etwas dazu. Beim gemeinsamen Essen und Trinken verbindet man sich mit Jesus. Weil der ja leibhaftig nicht mehr da ist, ist gemeinsam Essen und Trinken die Form, ihn wirklich zu spüren und so bei sich zu haben.

Sich beim Essen erinnern und sich mit denen verbinden, die nicht mehr da sind - das kenne ich von uns heute auch. Wenn jemand aus der Familie gestorben ist, treffen wir uns am ersten Todestag zum Essen, Trinken und Reden. Oder an Feiertagen denken wir in der Familie besonders an die, die in der Runde fehlen. Meistens hält jemand am Anfang der Feier eine kurze Rede und erinnert besonders an die oder den Verstorbenen. Das ist dann sehr emotional. Aber in dem Moment genau richtig. Wir sind zusammen, essen gemeinsam und fühlen uns verbunden. Verbunden in zweierlei Hinsicht: einmal mit denen, die wirklich am Tisch sitzen und dann mit denen, die nicht mehr da sind.

Der Apostel Paulus schreibt: „Jesus nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ (1Kor 11,23 -25)

Als Kind hab ich diese Worte im Gottesdienst immer mitgesprochen. Manchmal sogar so laut, dass meine Eltern mich zurückgepfiffen haben. Ich konnte das in- und auswendig. Als ich dann zum ersten Mal zur Kommunion gegangen bin, war das ein super Gefühl: Jetzt brauche ich nicht mehr nur zu reden, jetzt kann ich dabei sein. Jetzt gehöre ich ganz dazu.

Heute gibt es an vielen Orten Fronleichnamsprozessionen. Dabei wird Brot, also eine Hostie, durch die Straßen getragen und damit gezeigt: Wenn wir zusammen essen - und eigentlich auch trinken - dann sind wir so eng mit Jesus verbunden, dass er in uns ist.

Ich hab Fronleichnam schon öfter ökumenisch gefeiert. In Mannheim und Freiburg zum Beispiel. Das finde ich ein starkes Zeichen. Gerade bei diesem Fest feiern katholische und evangelische Christen zusammen. Denn genau darum geht es doch. Gemeinsam feiern, im Idealfall essen und trinken und dadurch verbunden sein - untereinander, mit denen, die vor uns da waren und mit Gott.

zu Grunde liegende Bibelstellen:  Gen 14,18-20

1 Kor 11,23-26

Lk 9, 11b-17

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28822
16JUN2019
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Manchmal scheint einem Gott weit weg. Zum Beispiel, wo Menschen sich in Streit verstrickt haben, da sind sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Da hat man keinen Kopf und kein Herz für Gott.

Wenn Menschen wütend sind und enttäuscht und sich verrennen in ihrem Ärger da scheint alles dunkel und Gott weit weg. Wie kommt man wieder raus aus so einer Situation, wenn alles festgefahren scheint und kein Licht am Ende des Tunnels?

Da kommt man nicht von allein wieder raus, schreibt der Apostel Paulus in einem Brief an die Christen in Korinth. In der Bibel kann man den Brief nachlesen. Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten über einen Abschnitt daraus gepredigt.

Dort in Korinth waren sie in erbitterten Streit geraten – miteinander und auch mit dem Apostel. In der Handelsmetropole haben einflussreiche Neureiche und arme Sklaven, Traditionalisten, antike Esoteriker und aufgeklärte Skeptiker gelebt. Sie alle standen in Konkurrenz zueinander, jeder meinte, es besser zu wissen. Und nur bei ihm sei die Wahrheit. Die anderen hätten noch gar nicht begriffen, was Glauben heißt.

Dahin schreibt Paulus nun einen Brief. Er kritisiert die Streiterei scharf. Er mahnt, man solle sich doch bitte versöhnen. Er schimpft. Aber er ahnt wohl, das macht die Leute dort vielleicht erst recht trotzig und bockig. Von allein werden sie kaum noch rauskommen aus ihrer verfahrenen Situation.

Deshalb äußert er am Ende seines Briefes einen Wunsch: Er wünscht den Korinthern den Geist Gottes. Mit seinem guten Geist kann Gott in Bewegung setzen und zueinander bringen, was getrennt scheint. So hatte es Paulus selbst erlebt. Und er wünscht den Korinthern, dass sie das auch erfahren. Und dadurch die Liebe Gottes wieder spüren. Der sitzt nämlich nicht hoch oben auf seiner Wolke und schaut zu, wie sie sich unten streiten.  Gottes Liebe gilt allen Menschen und bringt Menschen wieder zusammen. Dazu ist Jesus Christus ja auf die Welt gekommen. Der hat mit seinem Leben und Reden Wege gezeigt, wie Menschen gut miteinander auskommen können. Wie man einen ersten Schritt machen kann auf andere zu. Wie man gelten lassen kann, wie andere leben. Wie man denen helfen kann, die sich in Selbstmitleid und Wut auf die anderen vergraben haben.

Deshalb wünscht Paulus den Leuten in Korinth am Ende seines Briefes: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft der heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2. Kor 13, 13)

In Korinth haben sie sich anscheinend damals versöhnt und miteinander leben können. Deshalb wünsche ich mir und Ihnen das heute auch!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28847