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SWR1 3vor8

Wo Menschen Musik machen, da passiert was. Da verändert sich etwas. Musik hat eine unglaubliche Kraft. Meine Tochter erzählt mir manchmal davon. Sie ist Lehrerin. Wenn es in ihrer Grundschulklasse hoch her geht, dann singt sie mit den Kindern. Auf einmal sind sie wieder dabei, konzentrieren sich  und werden ruhiger. Und ein anderes Mal, wenn die Luft raus ist, alle schon ein bisschen erschöpft sind – dann singt sie ein anderes Lied mit ihnen, sie klatschen dazu und stampfen mit den Füßen: Und dann geht’s wieder.

Musik hat eine unglaubliche Kraft. Die Bibel erzählt von Paulus und seinem Gefährten Silas. Die beiden wurden ins Gefängnis gesteckt, weil sie mit ihren Predigten von Jesus Christus die Menschen in Aufruhr versetzt hatten. Ausgepeitscht hatte man sie und dann im Kerker angekettet. Und mitten in der Nacht – fangen die beiden Gefangenen an zu singen. Sie haben Loblieder für Gott gesungen, heißt es. Und ausdrücklich noch dazu: Die übrigen Gefangenen hörten ihnen zu.

Und da passiert es. Ein Erdbeben erschüttert das Gebäude, die Ketten fallen ab, die Türen öffnen sich, die Gefangenen sind frei. Das klingt unglaublich. Ob das wirklich so war? Aber jedenfalls passiert genau das, was Musik kann: Musik löst Ängste und beruhigt, weil bestimmte Hormone ausgeschüttet werden. Eltern wissen das: Wenn man Kindern vorsingt, werden sie ruhiger und schlafen ohne Angst ein. Aber Musik kann noch mehr: Musik weckt Erinnerungen. Wenn Paulus und Silas Loblieder für Gott singen, dann erinnern sie sich: Er hat uns schon so oft geholfen – er wird uns auch jetzt hier nicht im Stich lassen. Musik weckt auch Gefühle: Schon oft werden die beiden Gefangenen Loblieder gesungen haben. Und jetzt kommen die Gefühle wieder, die damals in ihnen waren: Dankbarkeit, Zuversicht und Gottvertrauen. Zwei Menschen singen. Einer stützt den anderen, einer allein würde den Mund vielleicht nicht aufkriegen. Aber zu zweit geht es. Musik hat eine unglaubliche Kraft. Und auf einmal fühlen sich die Gefangenen frei. Haben keine Angst mehr.

Besucher der Vesperkirche in Stuttgart haben einen Chor gegründet. Obdachlose, Arme und Kranke singen zusammen, treten sogar auf und geben Konzerte. Das Publikum ist regelmäßig begeistert. Was für Lasten mögen da von den Sängerinnen und Sängern  abfallen! „Rahmenlos und frei“ heißt der Chor.

Die Fesseln fallen ab und die Türen gehen auf, erzählt die Bibel. Vielleicht ist das ja vor allem ein Bild für das, was Musik bewirken kann. Gefangene werden frei. Bedrückte können sich aufrichten. Musik hat eine unglaubliche Kraft.

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