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SWR1 3vor8

(Lk 6,17. 20-26 Seligpreisungen in Feldrede Jesu)

„Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Selig die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.“ Sie sind bekannt, diese Worte Jesu und heute wieder in den katholischen Kirchen zu hören: die Seligpreisungen. Quasi das Programm Jesu, bei dem damals wie heute die gängigen weltlichen Werte umgekehrt werden. Selig, also gesegnet, von Gott bevorzugt sind nicht die Reichen, die Satten und die Glücklichen, sondern die Armen, die Hungernden und die Traurigen. Um sie geht es zu allererst, sie sind Gottes  Lieblinge. Weil mit ihnen in dieser Welt nicht so umgegangen wird, wie er es will: und zwar gerecht, zugewandt und heilsam. Es gilt als gesichert, dass Jesus die ersten drei Seligpreisungen genau so gesagt hat. Der sozial scharfsichtige Evangelist Lukas hat sie in seiner Version noch verstärkt, indem er Jesus sogar drohen lässt:“ Weh Euch, ihr Reichen, denn ihr habt euren Trost schon empfangen. Weh euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet klagen und weinen.“ Ist das nun mal wieder Drohbotschaft statt Frohbotschaft? Nein, Lukas will damit zeigen, welch ein gerechter Gott der Gott Jesu Christi ist.  Der will, dass die, denen es an Leib, Seele oder Schicksal besser geht als anderen, etwas für die tun, denen es schlechter geht. So scheint seine Welt in diese hinein. So, und nur so handeln Menschen, die sich zu ihm bekennen auch wirk-lich in seinem Sinn. Das war schon zu Zeiten Jesu radikal und ist es bis heute. Und was macht die Kirche, meine katholische Kirche? Diese reiche, satte, in sich festsitzende Kirche? Die zu wenig Seelsorgerinnen und Seelsorger hat und zu viele Gebäude?

Diese Kirche, die sich hinter Vorsorge- und Nachsorge-Aktionismen versteckt, statt die Strukturen zu verändern, die zu den Missbrauchsverbrechen ihrer Kleriker geführt haben? Und was mache ich, privilegierter Mensch, der vom Geld dieser reichen Kirche seinen Lohn bekommt? Geb ich genügend davon ab, an die Armen hier und an die in den armen Ländern der Welt? Geb ich den in der Seele Hungernden, die mir begegnen, genügend Nahrung? Und tröste ich die Traurigen und Weinenden deren Not ich sehe? Die Seligpreisungen Jesu sind zeitlose Fingerzeige Gottes. Und jeder Finger zeigt auf mich und auf die, die sich Christen nennen…

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