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SWR1 3vor8

Wenn ein Unglück sie trifft oder ein Schicksalsschlag, dann klagen Menschen. Warum passiert das gerade mir? Womit habe ich das verdient. Manche klagen Gott an: Warum tut er mir das an? Ich habe doch immer anständig gelebt und war ein guter Christ!
Ist denn der Glaube eine Art Lebensversicherung? Wenn ich als gute Christin lebe, dann wird Gott mich schützen und behüten?

Nein! Sagt die Geschichte, die heute in den evangelischen Gottesdiensten erzählt wird. Es geht um die Jünger von Jesus. Alles hatten sie für ihn verlassen. Und jetzt das! Bei einer harmlosen Bootsfahrt kommt ein schwerer Sturm auf. Lebensgefährlich. Ihr Boot droht zu kentern. Sie beginnen zu schreien und zu klagen.

Jesus war bei ihnen. Da hätte das doch eigentlich nicht passieren dürfen! Bei ihm, hatten sie gemeint, sind wir sicher und geborgen. Jesus hat geschlafen, haben sie später gesagt. Wie auch immer das möglich war – sie wollten wohl ausdrücken: Er hat sich nicht um uns gekümmert. Anscheinend war es ihm egal, wie es uns geht.

Warum sie so eine Geschichte weiter erzählt und später in der Bibel aufgeschrieben haben? Die Geschichte von enttäuschten Christen, die erleben mussten: es bleibt einem nichts erspart. Der Glaube ist keine Lebensversicherung. So ehrlich haben sie das weitererzählt. Sie wollten nicht, dass sich jemand Illusionen macht, scheint mir.

Aber irgendwie haben sie es doch überstanden, damals. Jesus hatte den Sturm schließlich beruhigt. So kam es ihnen jedenfalls vor. Sie waren mit dem Schrecken davon gekommen. Und Jesus hat sie gefragt: Habt ihr denn kein Vertrauen, keinen Glauben?

Ja, doch. Das hatten sie wohl gehabt. aber jetzt, wo der Sturm sie fast umgebracht hatte? Es hatte doch nichts geholfen, das Vertrauen. Mir sagt das: Das Gegenteil von Glauben ist Angst. Angst, die einen unsicher macht und sorgenvoll. Angst, sich auf das Leben einzulassen. Angst, etwas Neues zu probieren. Und die war bei ihnen jetzt vielleicht sogar gewachsen. Leben ist lebensgefährlich. Um ein Haar wären sie alle umgekommen. Wie sollten sie da Vertrauen haben? Wer weiß, was als Nächstes kommen würde. Was würde passieren, wenn Jesus mal nicht in der Nähe wäre? Ich hätte damals vielleicht gesagt: in ein Boot steige ich bestimmt nicht mehr. Man muss schon auf sich selber aufpassen, damit einem nichts passiert.

Aber mir bleibt die Frage im Kopf: Hast du denn kein Vertrauen? Die Jünger damals sind doch davon gekommen. Und ich auch, immer wieder. Bis heute. Daran will ich denken. Und es versuchen mit dem Vertrauen. Ich glaube, so könnte ich leichter leben.

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