Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

„Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!“ sagt die holländische Paartherapeutin Evje van Dampen. Hinter dieser Figur steckt der große Enterntainer Hape Kerkeling. Er nimmt als Evje van Dampen Beziehungen herrlich aufs Korn und dann kommen solche Sätze wie „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!“

Ich habe diesen Satz ganz oft im Ohr, weil ich glaube, dass er 100%ig stimmt. Um die Liebe muss ich mich kümmern. Egal ob es sich um die Liebe zu meinem Partner, meiner Familie, meiner besten Freundin oder um die Liebe zu mir selbst dreht.

Liebe ist wirklich harte Arbeit. Es kommt nämlich im Leben viel auf mich zu, dass die Liebe verdeckt. Der Alltag, der Job, andere Menschen. Oder ich werde krank, verliere jemanden, muss mich trennen. Dann ist es fast nicht möglich, Liebe zu spüren. Ich muss dann richtig was dafür tun, wieder an dieses Gefühl ran zu kommen. Ich muss mir zum Beispiel ganz bewusst Zeit für mich nehmen oder sie mit meinem Partner, meiner Freundin verbringen. Mir klar machen, was ihn oder sie ausmacht oder wofür ich dankbar bin. Ich muss manchmal alles andere zur Seite schieben, damit die Liebe wieder Platz hat. Meine Zweifel oder meine Wut zum Beispiel.

Im ersten Korintherbrief beschreibt Paulus ein Ideal von Liebe: „Wenn ich alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Die Liebe hört niemals auf.“

Also das klappt bei mir nicht. Ich bin manchmal einfach richtig sauer auf meinen Mann oder auch auf mich selbst. Trotz aller Liebe.

Ich glaube, Paulus schreibt das genau deshalb auf. Er ermutigt, dran zu bleiben. Mich immer weiter zu bemühen, auch wenn es hart ist. Und gerade dann, wenn ich alles andere im Kopf habe, als die Liebe. Die Gefahr ist groß, dass ich mich oder die geliebte Person aus dem Blick verliere. Also: „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit.“

Um dieses Ideal zu leben, von dem Paulus da spricht, muss ich schon sehr frei von allen Eitelkeiten sein. Ich muss mit mir selbst im reinen und ganz frei bei dem anderen sein können. Ohne Ansprüche, ohne dass ich was erwarte. Dann ist Liebe bedingungslos.

Ich kenne sie tatsächlich, diese kleinen absolut bedingungslosen Liebes-Momente. Im Urlaub zum Beispiel. Oder bei einem Abendessen, nur mein Mann und ich. Jeder ist gedanklich ganz beim anderen. Dann ist alles klar, kein Wort mehr nötig.

Paulus sagt, dass wir erst am Ende alles verstehen werden. Das glaube und hoffe ich auch. Die pure Liebe lerne ich erst kennen, wenn ich gestorben bin und Gottes bedingungslose Liebe spüre. Manchmal kann ich jetzt schon kleine Ausschnitte davon erleben. Und die tragen mich oft durch die Zeiten, in denen es heißt: „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit.“

 

Johanna Vering aus Buchen von der katholischen Kirche.

 

1 Kor 12,31 - 13,13

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27962