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SWR1 3vor8

Ist gutes Leben möglich? Glauben Sie daran? Es gab eine Zeit, da haben die Menschen daran geglaubt. Damals, als die Israeliten durch die Wüste gewandert sind. Vierzig Jahre lang. Sie waren geflohen aus der Sklaverei in Ägypten. Sie waren dem Ruf eines Mannes gefolgt, der Ihnen im Auftrag Gottes das gute Leben versprochen hat. Und das hat sie aufrechtgehalten. In der Bibel wird erzählt, wie schließlich nur noch eine Hürde vor ihnen liegt: Sie müssen über den Jordan (Jos 3, 2-22.17).

Der Jordan markiert eine Grenze: Auf der einen Seite die Wüste. Unwirtliches Land, schwer zu bearbeitender Boden, karg, lebensfeindlich. Auf der anderen Seite die fruchtbare Ebene. Land, das genug hergibt um davon zu leben. Das gelobte Land. Heute wird in den evangelischen Gottesdiensten daran erinnert, wie das ist, wenn man über den Jordan muss.

Der Weg zum guten Leben ist voller Hindernisse. Dass haben sicherlich auch in diesem Jahr wieder viele erlebt. Im Kleinen, im eigenen Leben. Denn ich kann mir vorstellen: heute, knapp zwei Wochen nach Silvester sind schon die ersten Niederlagen zu vermelden auf dem Weg zu einem besseren Leben. Niederlagen im Kampf mit guten Vorsätzen. Dabei haben die meisten das alles ganz ernst gemeint in der Nacht vom Einunddreißigsten Zwölften auf den Ersten Ersten. Sie hatten fest vor das eigene Leben ein bisschen besser zu machen. Aber es ist wieder nichts daraus geworden. Die Hürde ist zu hoch.

Die Israeliten haben nicht aufgegeben. In der Bibel wird erzählt, als sie vor der letzten Hürde stehen, da bekommen Sie einen Hinweis, wie das gehen könnte. Wie sie es schaffen könnten ins gelobte Land – zum guten Leben. Sie sollen zuerst Gottes Gebote über den Jordan bringen. Die 10 Gebote, die Gott seinem Volk gegeben hat als Richtschnur für gutes Leben. Und in der Bibel wird erzählt – das klappt. Als die Träger mit der Bundeslade, in der die Gebote aufbewahrt sind, in den Fluss steigen, da bleibt das Wasser kurz stehen und alle kommen trockenen Fußes auf die andere Seite.

Ich verstehe das so: Die Israeliten schicken Gott vor. Auf ihrem Weg durch die Wüste haben Sie die Erfahrung gemacht: Wenn Gott vorgeht, dann können wir es schaffen. Wenn wir seine Gebote als Angebote verstehen, dann ist gutes Leben möglich. Weil wir es nicht alleine machen müssen. Weil Gott mithilft. Immer wieder – auch wenn wir einmal scheitern.

Für die guten Vorsätze könnte das heißen: Wenn es gelingt sie nicht als eine Last zu sehen, sondern als einen Schlüssel zum guten Leben, dann fällt es vielleicht nicht so schwer sie um zusetzen. Und wenn ich akzeptiere: das gute Leben kann ich nicht einfach so machen. Es ist gut sich Hilfe zu holen. Rat. Und dem auch zu folgen.      

Auf dem Weg zum besseren Leben gibt es manche Hürden. Aber ich vertraue darauf: gutes Leben ist möglich. Damals wie heute: weil Gott voran geht.

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