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SWR1 3vor8

(Gaudete – Zef 3, 14-17 und Phil 4, 4-7)

 

„Freut Euch!“ Und damit fängt das Problem schon an. Nicht, weil ich gerade keinen Grund zur Freude hätte, sondern prinzipiell. Freude durch Ermunterung, per Aufforderung oder gar als Befehl, das geht nicht. Man kann sich nicht freuen wollen oder sollen. Und nun geht es heute, am 3. Adventssonntag, um nichts anderes in den katholischen Kirchen. „Gaudete“ heißt er, übersetzt „Freut Euch!“ Die Lesungen aus dem Alten und dem Neuen Testament fordern zur Freude auf. In geradezu euphorischer Sprache der Prophet Zefania, vor rund zweieinhalbtausend Jahren: „Juble Tochter Zion“, heißt es bei ihm, „Jauchze Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!“ Und 600 Jahre später schreibt der Apostel Paulus aus dem Gefängnis an die Christengemeinde im nordgriechischen Philippi: „Freut Euch im Herrn zu jeder Zeit. Noch einmal sage ich, freut Euch!“ Und worüber sollen sich die gottgläubigen Menschen denn freuen? Darüber, dass sie zu diesem Glauben gefunden haben. Dass sie Gott in sich und in ihrer Mitte wissen. Als Geschenk, als Kraft, als Gefühl von Sicherheit und Schutz. Dass sie sich getragen und lebendig fühlen durch ihn. Ja, all das kann sehr wohl ein Grund zur Freude sein. Aber ich kann sie niemandem in die Tasche reden. Niemanden bedrängen mit meiner Freude und schon gar nicht aufzwängen. Höchstens vielleicht anstecken damit, wenn ich Freude, Glaubensfreude in mir spüre. Und wo empfinde ich diese Freude? Immer wieder, wenn ich etwas Schönes erlebe: in einem Menschen, bei einem Tier, in der Natur, dann empfinde ich große Freude. Die immer auch mit Dankbarkeit verbunden ist. Für dieses Glück des Augenblicks. Ich empfinde helle Freude in einem Orgelkonzert. Wenn alle Register gezogen werden, die Bänke beben und ich mit den Klängen innerlich abhebe.

Und im Gottesdienst kann ich tiefe Freude empfinden, wenn ich eine Gemeinschaft spüre, die mich auf eine andere Ebene von Gemeinschaft nimmt. In der ich durch die Verbindung mit anderen Menschen im Glauben aufgehoben bin. Im doppelten Sinn aufgehoben: gut aufgehoben im Sinne von geborgen. Und hinaufgehoben, in eine andere Ebene. Über mich hinaus. Und damit Gott näher. Wenn Dinge wie diese geschehen, dann kann Freude entstehen. Eine Freude, die keine Worte mehr braucht, die aus sich heraus lebt. Und wirkt.

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