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SWR1 3vor8

Was ist mit den Toten? Im November begegnet diese Frage vielen. Auf dem Friedhof muss man die Gräber für die Verstorbenen der Familie „winterfest“ machen. Da kommen solche Gedanken. Und die kirchlichen Feiertage, von Allerheiligen über Volkstrauertag bis zum heutigen Totensonntag beschäftigen sich mit dieser Frage. Was ist mit den Toten?

Paulus, der erste große Theologe der Christenheit, der antwortet klipp und klar: Wer stirbt, der ist bei Christus. Genauer müsste man vielleicht sagen: Der ist mit Christus da, wo der selber auch ist – bei Gott. Da, wo man nicht mehr weinen muss. Wo alles Leid zu Ende ist, wo alle Fragen Antwort finden. Aufgehoben in Gottes guten Händen. Keine Seelenwanderung also. Kein Aufgehen in der Natur. Kein Nirvana, sondern: Gemeinschaft. Die Toten sind nicht allein in ihrem Grab, nicht allein im Nirgendwo. Sie sind bei Christus. Bei Gott. Genauer beschreibt Paulus das nicht. Aber er sagt: darum ist Sterben für mich ein Gewinn.

In den Evangelischen Gottesdiensten heute wird an die Toten erinnert und dieser Satz bedacht: Sterben ist für mich ein Gewinn, weil ich dann bei Christus bin (Phil 1, 21)

Paulus hat das seinen Gefährten in einem Brief aus dem Gefängnis geschrieben. Gefangen in einem antiken Kerker, da kann man sich schon vorstellen, dass einer sich den Tod wünscht.

Aber gleich im nächsten Satz schreibt er: Ich hoffe aber trotzdem, das ich vorerst am Leben bleiben kann und zu euch zurückkehren. Denn ich möchte euch diese Hoffnung weitergeben. Ich möchte euch helfen, genauso wie ich auf Gott zu vertrauen. Dann kann man nämlich getröstet leben und muss keine Angst vor dem Tod haben. Aber diese Hoffnung kann ich nur weitergeben, wenn ich lebe. Dann kann ich euch unterstützen, dann kann ich für euch da sein. Dann kann ich euch Freund sein, dann kann ich euch trösten. Deshalb hoffe ich doch, dass ich noch weiter für euch da sein kann – obwohl ich eigentlich gern sterben und bei Gott sein möchte. Das hat Paulus aus dem Gefängnis an seine Freunde und Mitchristen geschrieben.

Dieser Gedanke von Paulus hat mich schon manchmal getröstet. Die Toten sind nicht allein. Sie sind in Gottes Hand. So wie ich auch. Gott verbindet uns. Wie gut! Und trotzdem ist es wichtig, am Leben festzuhalten solange es geht. Denn: Es gibt doch noch Menschen, die mich brauchen. Denen ich vielleicht helfen kann, die ich trösten kann. Denen ich das Gefühl geben kann: Du bist nicht allein. Ich glaube, dass ich dafür am Leben bin. Und wenn mir auch manchmal zum Weinen ist – dafür lohnt es sich.

 

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