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SWR1 3vor8

(Dtn 6, 2-6 und Mk 12, 28b-34)

Wohin geht eigentlich meine Liebe? Das hab ich mich gefragt, als ich mich mit den Texten beschäftigt hab, die heute in den katholischen Kirchen zu hören sind. In zweien davon geht es um das „Schma Israel“. Das heißt „Höre Israel“ und ist das zentrale Gebet des Judentums: „Höre Israel“, lautet es, „Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzer Kraft.“ So stehen diese Worte im Buch Deuteronomium im Alten Testament.

Gott lieben aus vollem Herzen, mit meiner ganzen Seele und all meiner Kraft? Wenn ich mich das ganz ehrlich frage, dann muss ich sagen, meine Liebe geht zu meiner Frau, meinen Kindern und Enkelkindern, in meine Arbeit und zu meinen Freundinnen und Freunden. Gott ist da für mich immer irgendwie dabei, wie eine Art Hintergrundrauschen. Wäre er so ganz an erster Stelle, dann wäre ich wohl Priester oder Mönch geworden. Darum kann ich auch so gut nachvollziehen was heute in einem zweiten Text über das Schma Israel zu hören ist. Und zwar von Jesus.

Im Markusevangelium wird er von einem Schriftgelehrten gefragt, was denn das erste der Gebote von allen sei. Und darauf antwortet er als Jude natürlich: „den Herrn Deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und all deiner Kraft.“ Fügt aber hinzu: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“ Damit verbindet Jesus die Gottes- und Menschenliebe in ganz einzigartiger Weise. Zu diesem urchristlichen Liebes-Dreieck von Selbstliebe, Nächstenliebe und Gottesliebe. Was da nun an erste Stelle steht, ist wirklich egal. Denn die eine Liebe bedingt und durchdringt die andere. Und so stellt sich die Frage wohin meine Liebe geht nicht mehr oder ganz wunderbar neu: geht meine Liebe zu meiner Frau, meiner Familie, meinen Freunden und in meine Arbeit, so geht sie auch zu Gott. Geht sie zu Gott, kommt sie zu meiner Frau, meiner Familie meiner Arbeit und zu mir zurück…

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