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SWR1 3vor8

Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“  Das ist der zentrale Satz Jesu in der Bibelstelle, die heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird.

Die Geschichte dazu: Ein reicher Mann, der immer alles richtig machen will, fragt Jesus, was er tun müsse, um das ewige Leben zu bekommen. Jesus gibt darauf eine Antwort, die wohl auch heute so gegeben würde: Halte dich an die Zehn Gebote. Der Mann ist mit dieser Antwort aber nicht zufrieden: „Das tue ich schon von Jugend an.“ Jesus wendet sich dem Mann zu, schaut ihn an, umarmt ihn und sagt: „Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“ Das war zu viel. Der Mann geht traurig weg; denn er hat ein großes Vermögen. Daraufhin Jesus zu seinen Jüngern: „Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“  Jesus macht hier keine dogmatische Aussage, sondern der Satz ist eher ein Seufzer. Ein Seufzer am Schluss eines Gespräches. Der Mann tut ihm leid. Zunächst verlangt Jesus von dem Mann nur die Einhaltung der Gebote. Damit hätte das Gespräch zu Ende sein können. Aber der Mann will mehr, er ist mit der theologischen Standartantwort, die er wohl schon tausendmal gehört hat, nicht zu frieden. Deshalb gibt Jesus ihm den Rat, alles zu verkaufen. Er will ihm sagen: „Wenn du wirklich mehr willst, dann trenne dich von deinem Reichtum. Dann wirst du das Reich Gottes hier und jetzt schon erleben.“ Ganz bewusst spricht Jesus nicht vom Ewigen Leben, wonach der Mann eigentlich gefragt hatte, sondern vom Reich Gottes. Das ewige Leben ist etwas Zukünftiges, das kommt irgendwann, nach dem Tod – vielleicht. Das Reich Gottes gehört in die Gegenwart, das kann jetzt schon passieren, hier und heute. Überall wo Menschen loslassen können von Macht, Besitz, Reichtum. Den Schritt hat der reiche Mann nicht geschafft. Verpasste Chance. Nicht nur für den reichen Mann. Die Geschichte ist ein Stachel im Fleisch – für jeden Christen, auch für mich.

Mk 10,17-30

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