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SWR1 3vor8

„Die Welt retten“ – wenn man jung ist, möchte man das. So wie der Liedermacher Tim Bendzko das vor ein paar Jahren gesungen hat. „Nur mal kurz die Welt retten“ hieß sein Lied und war wochenlang ein Hit. Die Welt retten: wie James Bond und die ganzen anderen Helden. Das wäre was.

In dem Bibelabschnitt, über den heute in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt hat, behauptet das auch einer, anscheinend von sich selber. Er soll ein Licht für alle Völker sein (Jes 49, 6). Jeder soll einen Weg sehen. Die Menschen sollen nicht länger im Dunkeln leben, in Elend und Verzweiflung. Keiner soll meinen, dass er ganz allein ist, weil er im Dunkeln niemanden sieht, den er um Hilfe bitten könnte. Jeder soll den anderen sehen können, soll sehen können, wie es den anderen geht. Und herausfinden, wie man helfen kann, wenn es nötig ist. Das wäre möglich, wenn es hell wird in der Völkerwelt. Und ein Prophet, dessen Namen man nicht kennt, sagt das von sich: Das ist meine Berufung. Das will ich tun. Dafür sorgen, dass es hell wird.

Wenn man Tim Bendzko zuhört, merkt man schnell: „Ich muss nur noch kurz die Welt retten…“ das ist in seinem Lied eine Ausrede. Da redet sich einer raus, der sich nicht um Naheliegendes kümmern will. Einer der keine Lust hat, sich mit anderen abzugeben oder sich gar für sie einzusetzen, der singt: „Muss nur noch kurz die Welt retten, 148 Mails checken…“

Der Prophet in der Bibel behauptet aber ganz ernsthaft, er habe von Gott den Auftrag, ein Licht zu sein für die Welt. Und er weiß anscheinend auch, wie mühsam das ist, wenn man auch nur im Kleinen damit anfangen will. Er ist wohl schon öfter daran gescheitert. „Ich dachte, es ist alles umsonst“ sagt er. Aber er lässt sich trotzdem nicht beirren. Gott selbst hat den Auftrag erweitert, sagt er. Nicht nur im Kleinen, ganz groß soll es werden, was er tun soll. Licht für die Völker.

Jahrhunderte später hat Jesus genau dasselbe von sich gesagt: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12) Und von seinen Nachfolgern auch: „Ihr seid das Licht der Welt!“ (Mt 5,14). Deshalb glaube ich: Was dieser Prophet damals und später Jesus gesagt hat, das kann jeder und jede auf sich selbst beziehen. Ich. Und Sie auch. Licht sein für die Welt: ohne Belehrungen und ohne alle Welt bekehren zu wollen. Aber so überzeugend handeln, dass die Menschen merken: Gott meint es gut mit uns.

Wie kann ich mal kurz die Welt retten? Die Frage finde ich zu leichtfertig. Aber vielleicht sollten wir uns ab und zu fragen: Wie kann ich es um mich herum ein kleines bisschen heller machen?[1]

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Jes 49
1 Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merkt auf! Der Herr hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war.
2 Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt.
3 Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will.
4 Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott.
5Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde – und ich bin vor dem Herrn wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke –,
6 er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde."


 

[1] Siehe z.B.: 70 Wege, wie Du heute die Welt retten kannst (ein kleines bisschen): https://mymonk.de/70-wege-die-welt-zu-retten/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27249