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SWR1 3vor8

Gott lässt keine Ausreden gelten. So könnte man den Bibelabschnitt auf den Punkt bringen, über den heute in vielen evangelischen Kirchen gepredigt wird. Da wird erzählt, wie Jeremia, ein junger Mann, in Gottes Namen einen Auftrag ausführen sollte. Gott wollte, dass Jeremia Kritik übt an den schlimmen Zuständen im Land und am falschen Weg der Regierung. Aber der war keineswegs erfreut über die Aufgabe. „Ich bin doch viel zu jung!“ hat er gesagt. „Such Dir besser einen anderen, der das macht. Ich bin ungeeignet!“

Wer kennt das nicht? Da wird man in die Pflicht genommen, aber so ganz geheuer ist einem die Aufgabe nicht. Oft hat das damit zu tun, dass man den Mund aufmachen müsste. Zu sich und seiner Meinung stehen sollte.
„Ich bin viel zu jung!“ hat Jeremia gesagt. Was sind meine Ausflüchte heute? Ich  habe so viel zu tun – darum kann ich mich nicht auch noch kümmern. Ich bin viel zu schwach. Was, wenn mir was passiert? Ich kann mich ja gar nicht wehren! Ich bin ganz alleine. Auch wenn ich was sage, die anderen sind doch alle gegen mich. Da schweige ich lieber, um des lieben Friedens willen.

Die meisten Ausflüchte leuchten sogar ein. Sind gar nicht weit hergeholt. Auch Jeremia hatte ja Recht. Er ist damals wirklich noch sehr jung gewesen. Wer sollte einem so jungen Mann schon Glauben schenken, wenn er von Gott spricht. Aber Gott lässt das nicht gelten. Er hat Verständnis. Er sieht die Angst, die oft hinter den Ausflüchten steht. Und dieser Angst begegnet er. Zu Jeremia hat er damals gesagt: „Ich bin bei Dir. Du brauchst dich nicht zu fürchten. Ich unterstütze Dich mit meiner Kraft und meinem Segen.“

Und ich glaube, das gilt auch für mich. In jedem Leben gibt es Situationen in denen ich gefragt bin. In denen es auf meine Stimme ankommt, so wie es damals auf Jeremia angekommen ist.  Wenn es soweit ist, dann weiß ich: Gott ist bei mir. Er unterstützt mich. So alleine bin ich gar nicht. Gott traut mir zu, dass ich meine Stimme erhebe. Widerspreche, wenn in der Straßenbahn gegen Flüchtlinge gehetzt wird. Er ist bei mir, wenn ich mich in der Kantine neben die neue Kollegin setze und zeige, ich bin da. Ich mache da nicht mit, wenn sie dich so misstrauisch links liegen lassen.  Und auch, wenn ich die Tante beim Familienfest frage, wieso sie plötzlich ganz im Sinne rechter Populisten argumentiert. Was denn mit ihr los sei.

Ich glaube: Gott traut mir das zu. Ihnen auch. Nicht einfach so, sondern weil er uns kennt. Weil er weiß was in uns steckt. Das hat er auch Jeremia damals gesagt. „Ich kenne Dich von Mutterleib an. Ich weiß, was Du kannst.“
Mir macht das Mut. Mut dazu, die Ausreden wegzulassen. Die Aufgabe klar zu benennen. Und dann zu tun, was nötig ist. Jetzt. Mit Gottes Hilfe.

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