Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

Einen alten Baum kann man nicht mehr verpflanzen, das sagen viele. Wenn man alt ist, zieht man nicht mehr gern um. Ich weiß ja nicht, was kommt und ob ich dem gewachsen bin, an einem anderen fremden Ort?

Aber nicht nur ältere Menschen haben Angst davor, noch einmal neu anzufangen. Viele junge erzählen mir, mit wieviel Befürchtungen sie von zu Hause weggehen, weil es die Ausbildung erfordert oder der Beruf.

Die Bibel erzählt von Abraham. Abraham war alt. Und er ist umgezogen. Nicht von einer größeren in eine kleinere Wohnung. Auch nicht zu den Kindern oder ins betreute Wohnen. Abraham ist mit Sack und Pack umgezogen, was damals hieß mit Zelten und Dienstboten und Tieren. Weg, mit unbekanntem Ziel. Abraham wusste nicht, wohin es gehen würde.

Später haben sie erzählt und aufgeschrieben, Gott selbst habe ihn dazu aufgefordert: „Geh. Geh in ein Land, wo es besser für dich ist. Ich selbst werde es dir zeigen.“ Da ist Abraham losgezogen.
Wie geht das, frage ich mich. Einfach so? Was hat ihm Mut gemacht? Er konnte ja auch nicht wissen, was kommen wird. Gibt es ein Mittel gegen die Sorgen, die man sich macht, wenn etwas Neues kommt?

Er habe sich auf Gottes Versprechen verlassen. So jedenfalls kann man es in der Bibel nachlesen. „Ich will dich segnen … und du sollst ein Segen sein!“ Das soll Gott selbst zu Abraham gesagt haben. (Gen,12,2)

Gottes Segen hat dem alten Mann Mut gemacht. Gott würde mit ihm gehen und ihm beistehen, darauf hat er sich verlassen. Gottes Segen ist ja eigentlich nichts anderes als das Versprechen: Ich werde für dich da sein – was auch geschieht. Ich schicke dir Menschen, die dich begleiten. Ich mache dir Mut, wenn du enttäuscht wirst. Ich gebe Dir Kraft, immer neu anzufangen. Das verspricht Gott, wenn er seinen Segen verspricht. Mit diesem Versprechen hat Abraham sich auf den Weg gemacht. Deshalb bitten bis heute Eltern für Ihre Kinder um Gottes Segen, wenn sie sie taufen lassen. Und Paare, die kirchlich heiraten, möchten sich auf Gottes Segen und Begleitung verlassen.  Auch da, bei Taufe und Hochzeit, ist der Segen so etwas wie ein Reisesegen. Damit fällt es Menschen leichter, der Zukunft entgegen zu gehen. Manchmal tut es auch gut, das lieben Menschen selber so zu sagen: Behüt dich Gott! So kann ich andere leichter gehen lassen.

Dabei zeigt Abrahams Geschichte: Die Reise in die Zukunft war nicht gleich eine Erfolgsgeschichte. Es gab bedrohliche Begegnungen und Enttäuschungen.

Aber Abraham hat es geschafft. Und ich begreife: Mit Gottes Segen können auch alte Bäume neue Wurzeln schlagen, und junge Pflanzen an neuen Orten grünen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26770