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SWR1 3vor8

„Wir sind nicht besser als andere, wir sollten demütig sein,“ hat Toni Kroos empfohlen. Als Haltung der Deutschen bei der Weltmeisterschaft. Toni Kroos hat das auf  den Fußball bezogen. So will er, dass sie anderen Mannschaften begegnen. „Wir sind nicht besser als andere, wir sollten demütig sein.“ Eine bemerkenswerte sportlich-menschliche Haltung.

Ich finde, auch eine Haltung fürs Leben. Die Passage in der Bibel, über die heute in den evangelischen Kirchen nachgedacht wird, empfiehlt Ähnliches, aber ganz grundsätzlich. Menschen gegenüber, gegenüber Gott und der Schöpfung. Der Briefschreiber formuliert richtig scharf und kantig. Man merkt, für ihn hängt davon wirklich ab, ob mein Leben in einer guten Spur läuft.

„Wir betrügen uns selbst“, schreibt er, „wenn wir behaupten: ‚Wir sind frei von Schuld!‘ Dann ist die Wahrheit nicht in uns am Werk.“

„Frei von Schuld.“ Wenn ich so von mir denke, dann halte ich mich sicher für besser als andere. Demut? Brauch ich dann nicht. Dann kann ich großspurig auftreten, mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein und über andere wegsehen und weggehen, die doch das Leben mit mir teilen.

Ich glaube, diese Einstellung nimmt zu: In vielen Spielarten: „Das lass ich mir von dem nicht gefallen“; „ich bin im Recht“ „diese Südeuropäer können einfach nicht wirtschaften.“ Wenn man so lebt, wird das Leben nicht wahr. Meint der Briefschreiber aus der Bibel. Und wie lebe ich wahr? Sich klein machen ist es auch nicht. Oder wenn ich denke. Ich bin ein „Sünder“. Das Leben wird nicht gut, wenn man auf seine Fehler starrt und sich schuldig fühlt.

Echt demütig ist, wenn ich weiß, ich habe Fehler und werde schuldig, bin eben nicht besser als andere. Und wenn ich mich darauf verlasse, dass Gott mir vergibt. Echt demütig ist: Wissen, ich kann versöhnt leben und bekomme die Chance, es besser machen als zuvor.

Ich finde diese Haltung auch wichtig für mich und uns als Deutsche. Es ist eine Lüge, wenn man behauptet: Unsere schuldhafte Vergangenheit ist „nur ein Vogelschiss.“ Nein, es gehört zu uns Deutschen und Deutschland, dass wir den 2. Weltkrieg verschuldet haben. 60 Mio Tote, 6 Millionen jüdische Menschen, die umgebracht worden sind. Diese Schuld gehört zu uns. Und sie soll unsere Haltung prägen. Aber positiv: Andere haben sich mit uns versöhnt. Deshalb schreiben wir auch Versöhnung auf unsere Fahnen. Demütig, denn wir sind nicht besser sind als die anderen.

Bibeltext : 1.Johannes 1,5-2,6

Das ist die Botschaft, die wir von Jesus Christus gehört haben und die wir euch verkünden: Gott ist Licht, in ihm gibt es keine Spur von Dunkelheit.
6 Wir lügen, wenn wir behaupten: »Wir haben Gemeinschaft mit Gott!«, aber unser Leben nach der Dunkelheit ausrichten. Was wir tun, steht dann im Gegensatz zur Wahrheit.
7 Gott selbst ist ja im Licht. Wenn wir nun ein Leben führen, das – wie er selbst – im Licht ist, haben wir Gemeinschaft untereinander. Dann reinigt uns das Blut, das sein Sohn Jesus vergossen hat, von jeder Schuld.
8 Wir betrügen uns selbst, wenn wir behaupten: »Uns trifft keine
Schuld!«  Dann ist die Wahrheit
nicht in uns am Werk.
9 Wenn wir aber unsere
Schuld
eingestehen, ist Gott treu und gerecht: Er vergibt uns die Schuld und reinigt uns von allem Unrecht.
10 Wir machen sogar Gott zum Lügner, wenn wir behaupten: »Wir haben noch nie etwas getan, wodurch wir schuldig geworden sind!« Dann ist Gottes Wort nicht in uns am Werk.

2,1 Meine Kinder, das schreibe ich euch, damit ihr keine Schuld auf euch ladet. Wenn aber dennoch jemand schuldig wird, dann haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, der ganz und gar gerecht ist.
2 Er hat für unsere
Schuld
sein Leben gegeben und hat uns so mit Gott versöhnt. Und das gilt nicht nur für unsere Schuld, sondern auch für die der ganzen Welt. 3
Ob wir Gott wirklich kennen, können wir daran ablesen, dass wir seine Gebote halten.
4 Wer behauptet: »Ich kenne ihn«, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner. In ihm ist die Wahrheit nicht am Werk.
5 Aber wer sich an sein Wort hält, in dem ist die Liebe Gottes wahrhaftig vollendet. Daran können wir ablesen, ob wir in der Gegenwart Gottes leben.
6 Wer von sich sagt: »Ich lebe in der Gegenwart Gottes!«, geht damit eine Verpflichtung ein – so zu leben, wie Jesus gelebt hat

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