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SWR1 3vor8

Zweiter Sonntag der Osterzeit B (Apostelgeschichte 4,32-35)

Kann man die Auferstehung Jesu sehen? Nein, das kann man nicht. Jesus ist denen erschienen, die an ihn geglaubt haben, seinen Jüngern und Freunden. Davon berichtet die Bibel an verschiedenen Stellen. Aber von diesen Begegnungen mit dem Auferstandenen konnte niemand etwas zeigen.

Kann man die Auferstehung also wirklich nicht sehen? Das muss fromme Gemüter und Katholiken, die sich an den Katechismus halten, in Verwirrung bringen. Dort ist immerhin auch von einer Auferstehung des Leibes die Rede. Was aber nicht bedeutet, dass man diesen so sehen kann wie den alten irdischen Leib. Was tun?

Der Apostel Thomas, von dem heute in den katholischen Gottesdiensten gesprochen wird, will den auferstandenen Jesus berühren. Er will also eine eigene handfeste Erfahrung machen, mit dem, was ihm da erscheint: sein Freund Jesus mit den Wundmalen an Händen und Füßen. Aber soweit kommt es nicht, obwohl er meint, dass Jesus ihn dazu ausdrücklich auffordert. Unmittelbar davor kapiert er, hält inne und glaubt, dass Jesus tatsächlich lebt. Anders als zuvor. Neu! Ohne Berührung. Ohne Jesus anfassen zu wollen. So ist es an allen Stellen, wo in der Bibel von Ostern die Rede ist: Der Auferstandene entzieht sich dem menschlichen Zugriff. Was mit ihm geschehen ist, kann man nur in sich selbst sehen. Und dort bewahren. Alles andere hat mit Glauben nichts zu tun. Wäre Hokuspokus oder Magie.

Jeder, der zu glauben versucht, weiß das. Trotzdem brauchen wir auch Konkretes. Die Auferstehung von den Toten ist nicht als Theorie gedacht, als philosophische Konstruktion. Nein, sie ist real. Sie ist wirksam. Und das bedeutet, auch ich muss damit Erfahrungen machen können. Jeder, der sie für wahr hält. Kann man die Auferstehung also doch sehen?

Neben der Geschichte vom zweifelnden Thomas wird heute auch noch eine Stelle aus der Apostelgeschichte gelesen. Jenem Buch, das von den frühen christlichen Gemeinden erzählt: wie die ersten Christen gelebt haben, was sie ausgezeichnet hat gegenüber anderen, wie sie ihren Glauben an Jesus in die Tat umgesetzt haben. Da heißt es: Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. (...)Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Die Apostelgeschichte nennt es ausdrücklich ein Zeugnis von der Auferstehung Jesu[1], so zu leben. Was für ein starkes Zeichen, Auferstehung so sichtbar, so spürbar zu machen. Man stelle sich vor ... wenn man Christen bis heute daran erkennen könnte.


[1] Apg 4,33

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