Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

Lasst euch nicht erschüttern! Heute, am Ostermontag wird das in den evangelischen Gottesdiensten vorgelesen. „Christus ist auferstanden“, singt man in den Gottesdiensten und „Jesus lebt, mit ihm auch ich!“. Wir Christen hoffen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Das Leben bleibt in Gottes Hand, meines und das von all denen, um die ich schon geweint habe. Eines Tages, sagen viele, werden wir wieder zusammen sein.

Das ist ein Grundum jedes Jahr zwei Tage Ostern zu feiern.
Und dann höre ich im Gottesdienst, was Paulus an die Christen in Korinth geschrieben hat. Erst schreibt er ausführlich von der Auferstehung. Und dann doch wieder: Lasst euch nicht erschüttern!

Was hat die Korinther damals denn erschüttert und verunsichert? Ich denke mir, ihnen ging es genauso, wie mir heute auch. Ich erlebe, wie Menschen sterben, die ich lieb habe. Und fange an zu zweifeln. Wenn doch Gott stärker ist als der Tod – warum sind sie gestorben? Und was wird jetzt mit ihnen? Und überhaupt hört das Sterben nicht auf: die Kriege nicht, der Hunger nicht, das Unheil nicht. Noch immer scheint das Böse stärker, das den Tod bringt.

Ich glaube, genauso haben die Korinther damals gedacht. Und Paulus schreibt ihnen. Die Welt ist noch nicht das Paradies. Es ist noch nicht alles verwandelt. Aber viele von uns haben es doch erlebt: Jesus lebt. Er ist mitten unter uns, wenn wir zusammen kommen. Sein Geist belebt uns. Seine Gegenwart hilft uns, einander zu trösten. Nicht was stark ist wird am Ende leben, sondern die Misshandelten und die Verlierer. So, wie Jesus lebt. Deshalb, schreibt Paulus, lasst euch nicht erschüttern, auch wenn es manchmal anders aussieht. Wartet geduldig, bis sich das unvergängliche Leben für alle zeigen wird.

Und bis dahin, helft einander zu leben! Paulus schreibt: „Setzt euch mit aller Kraft für die Sache Gottes ein. Ihr wisst ja: was ihr für den Herrn tut, ist nicht vergeblich!“ (1. Kor 50, 58) 

Wie das gehen soll? Ein alter Herr, dessen Frau gestorben war, hat mir mal gesagt: Das schönste war, wenn die Nachbarn gekommen sind und erzählt haben. Einfach erzählt, aus ihrem Leben. Von den Kindern. Von ihrem Alltag. Ruhig auch von ihrem Ärger. Und natürlich von dem, was sie fröhlich gemacht hat. Damit haben sie mir ein Stück Leben ins Haus gebracht. Ich wollte gar nicht, dass sie mich bedauern und mir dauernd ihr Mitgefühl ausdrücken. Ich wollte auch nicht, dass sie mich immerzu fragen, wie es mir geht. Einfach ein bisschen leben ins Haus bringen. Das war schön. Das hat mir geholfen.

Ich glaube, genauso hat Paulus das gemeint: Lasst euch nicht verunsichern! Bleibt nicht am Tod hängen, sondern helft euch weiter und lebt! .

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26220

(zu Joh. 20, 1-18)

„Unsere größten Erlebnisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“ Ich denke dieser Satz des Theologen Jean Paul stimmt nicht immer, aber bei dem was heute in den Kirchen lautstark und froh gefeiert wird schon: bei der Auferstehung Jesu.                                          Alle Stellen im Neuen Testament, in denen von diesem unfassbaren Geschehen die Rede ist, sind Erfahrungen, die in der Stille gemacht werden. Also kein triumphales Heraussteigen Jesu aus dem Grab - mit Blitz und Donner wie auf manchen alten Gemälden. Nein, all die, die sich so unglaublich sicher sind, dass er lebt, haben das in scheinbar alltäglichen Situationen erfahren, und zwar in stillen Momenten. Zum Beispiel zwei Jünger auf der Flucht, weg von Jerusalem, als sie von einem ihnen zunächst unbekanntem Mann begleitet werden und ihn beim Brotbrechen als den lebendigen Jesus erkennen. Oder die anderen Jünger, denen er erscheint als sie verstört und todtraurig beieinander sitzen, mitten in ihre stille Lähmung hinein. Und vor allen Maria Magdalena, seine treuste und tapferste Begleiterin sieht ihn in der Stille. Am Morgen, noch in der Dunkelheit, erkennt sie ihn unter Tränen zunächst nicht. Aber als er sie anspricht, als er ihren Namen ausspricht, da weiß sie es, spürt sie es: ihr Meister, Lehrer und Lebensretter ist nicht tot, er lebt!                                  „Unsere größten Erlebnisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“ Ja, das kenne ich auch aus meinem Leben. Und vielleicht sind auch diese Erlebnisse kleine Auferstehungserfahrungen. Stille Erfahrungen, die über sich hinausweisen und Leben schaffen.

Überall dort wo ich Verbundenheit, Gemeinschaft und Liebe spüre angesichts von Leid und Tod. Oder wenn ich mich erinnere, an Stunden des Glücks, des Schmerzes oder größter Freude. Und sie wieder aufleben, innerlich, in der Stille wieder aufleben. Und nicht zuletzt alle Grenzsituationen sind still oder schaffen Stille. Am Krankenbett, wo eine helfende oder haltende Hand keine Worte braucht. Beim Sterben und vor allem danach, wenn der große letzte Frieden eingetreten ist. Und nach der Geburt, ja auch nach der Geburt, wenn nach allem lauten Wehen, Pressen und Schreien diese zeitlose Stille einkehrt. In die das Wunder des Lebens gebettet ist…

Frohe Ostern wünsche ich Ihnen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26176