Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

In diesem Jahr bin ich dankbar für den „Karfreitag“. Weil mir in den letzten Wochen der Tod von Menschen sehr nah gekommen ist. Und weil ich da bei mir und anderen gespürt hab, wie sehr wir das brauchen: Trost und Halt und Hoffnung, wenn ein Mensch uns verlassen muss über den Tod hinaus. Und wenn sie am Anfang nur ein kleiner Funke ist.
Der Karfreitag gibt Hoffnung. Ich spüre sie auch in den Worten, die heute in den evangelischen Kirchen im Mittelpunkt stehen.

Christus ist der Vermittler einer neuen Verbindung zu Gott. Sein Tod bedeutet für uns die Erlösung. Dadurch können alle, die berufen sind, das ewige Erbe erhalten. Das versprochen ist.

Wie kann ich dankbar sein für den Karfreitag, an dem doch ein Mensch sterben musste? Viel zu jung. Gerade mal etwas über 30 ist Jesus geworden. Und dann auch noch an einem Kreuz. Dafür was Jesus aushalten musste und was Menschen auch heute aushalten müssen. Dafür kann man nicht dankbar sein. Das ist oft nur schlimm, erschütternd und grausam. Aber für etwas anderes:

Die Christen haben vor 2000 Jahren mit der Zeit den Tod Jesu noch anders verstehen gelernt. Nicht nur als Verlust. Sie haben ihn mit den Augen des Glaubens gesehen und verstanden: Mit dem Tod Jesu hat etwas Neues für uns angefangen. Und das haben sie ausdrückt in diesem kurzen Bekenntnis: Jesus Christus vermittelt, er schafft ganz neu eine Verbindung zu Gott.

Wenn der Tod das Leben erschüttert, fühlt man sich, als wäre die Verbindung zum Leben gekappt, als wäre es vorbei. Und wenn man an Gott glaubt: Wenn man Abschied nehmen muss, kann Gott so weit weg sein. Als gäbe es keine Verbindung mehr zum Leben und zu einer guten Zukunft.

Dagegen haben die Christen vor 2000 Jahren den Glauben gesetzt. Und Hoffnung. Die wirft auf den Tod ein anderes Licht: „Nein“, sagt die Hoffnung. Mit Jesus verbindet sich Gott auf ewig mit uns.
Das kann man auch heute hoffen und sich darauf verlassen. Die Verbindung zu Gott wird nicht unterbrochen, wenn ein Mensch gehen muss. Er ist bei Jesus gewesen und mit ihm. Als der am Karfreitag leiden und sterben musste. Und wenn uns der Tod heute nahe kommt. Dann bleibt uns Gott darin auch nah.

Wie kann ich das noch sagen? Vielleicht: Gott nimmt den lieben Menschen, der vor uns gestorben ist, an wie ein guter Freund. Eines Tages werden wir diesen Weg auch gehen. Und dann erfüllt sich hoffentlich, was man jetzt glauben und hoffen kann: Der Tod kann uns nicht so nahe kommen wie Gott.

Hebr 9,15
Deshalb ist Christus auch der Vermittler eines neuen Bundes. Der Eintritt seines Todes bedeutet für uns die Erlösung von den Übertretungen aus der Zeit des ersten Bundes.
Dadurch können alle, die berufen sind, das versprochene ewige Erbe erhalten.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26180

Palmsonntag B (Markus 11,1-10)

Pferde sind Fluchttiere. Wenn von irgendwoher eine Gefahr droht und sie diese wittern, rennen sie davon. Ganz anders Esel. Esel bleiben in solchen Fällen stehen. Wie angewurzelt. Sie stellen sich quasi tot. Und warten, bis die potentielle Gefahr an ihnen  vorüber gezogen ist.

Ob das auch ein Grund ist, weshalb Jesus auf einem Esel nach Jerusalem geritten ist? Und nicht hoch zu Ross, wie wir heute erwarten würden - von einem Führer, einem König? Jesus hatte es sich gut überlegt und dabei alle Einwände seiner Gefährten abgewiegelt: Er wollte und musste nach Jerusalem. Und er muss genau dort das noch einmal sagen, was er vorher in der Sommerfrische des Sees verkündet hatte: dass Gott den Sündern vergibt, dass ihm die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten wichtiger sind als Gesetze, dass es die Reichen und Mächtigen schwer haben werden bei Gott mit all ihrem Ballast. Und dass er ein König ist, von Gottes Gnaden, aber ganz anders als jeder Mensch das würde sein können: ein König der Herzen, der nur die Liebe kennt und nützt um auf Menschen Einfluss zu nehmen. Dazu passt der Esel, schon optisch, und er passt für mich eben auch, weil er stehen bleibt, wenn’s darauf ankommt. Und eben nicht wegläuft.  Was ihm bei uns den Ruf des Störrischen eingebracht hat.  Auch das passt zu Jesus. Jetzt, an Palmsonntag in Jerusalem, da kam’s ihm darauf an, standfest zu bleiben, nicht wegzulaufen. Jesus war klar: Er würde nicht ungeschoren wieder aus dieser Stadt wegkommen. Alle Zeichen haben darauf hingedeutet, dass sie ihn festnehmen würden - die machtbewussten Vertreter seines eigenen jüdischen Glaubens; die Römer, die keine Unruhe gebrauchen konnten im besetzten Gebiet, und die Feinde in seinen eigenen Reihen, denen das alles zu langsam und zu halbherzig vonstatten ging wie Judas Iskariot.

Jesus kommt mir da vor wie ein störrischer Esel. Als Jugendlicher habe ich mir manches Mal überlegt, ob es nicht anders gegangen wäre. Warum der Vater im Himmel seinen Sohn diesen am Ende doch grausamen und tödlichen Weg gehen lässt. Ich kann’s mir nur so erklären: Jesus wusste, dass sein Prinzip der gewaltlosen Liebe sich in der harten Realität bewähren muss. Das Evangelium ist kein Sandkastenspiel für heitere Tage. Dass Gott alles in der Hand behält, das Leben und den Tod, das zeigt sich am besten dort, wo der Tod regiert. Damals in Jerusalem. Heute in Syrien und an vielen anderen Orten. Überall dort, wo trotz des Todes noch ein Rest an Menschlichkeit übrig bleibt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26174