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SWR1 3vor8

Gen 22,1-19

Abraham soll seinen eigenen Sohn opfern - eigentlich ist es eine Geschichte zum Fürchten, aber es gibt ein Bild davon, das mich immer wieder schmunzeln lässt und das mir die Angst nimmt. Die Geschichte steht in der Bibel und wird heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen. Die Geschichte von der Opferung des Isaak. Gott – so heißt es dort – stellt Abraham auf die Probe. Er verlangt von ihm, dass er seinen Sohn Isaak für ihn opfert. Abraham ist dazu bereit, er will tun, was Gott von ihm verlangt. Im letzten Moment – Abraham hat schon das Messer gezückt - greift ein Engel Gottes ein und hält ihn davon ab. Damit bekommt die Geschichte zwar noch ein Happy End, aber was ist das für ein Gott, der einen Vater - nur so zur Probe - in eine solche Gewissensqual bringt? Es fällt mir schwer, einen solchen Gott mit meiner Vorstellung vom gütigen Gott in Einklang zu bringen, ein solcher Gott macht mir eher Angst.

 

Und jetzt das Bild, das mich schmunzeln lässt und das mir die Angst nimmt. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert und hängt in der Trierer Jesuitenapotheke. Dargestellt ist die Stelle als der Engel auftritt. Der barocke Maler hat die biblische Szene in seine Zeit übertragen. Und so hat Abraham kein Messer, sondern ein großes Jagdgewehr in der Hand. Und gerade als er auf seinen Sohn anlegt, da flattert über ihm ein kleiner barocker Engel, der vom Geschlecht her eindeutig als kleiner Junge dargestellt ist. Und der pinkelt in einem gezielten Strahl aufs Zündloch des Jagdgewehrs. Und unter dem Bild steht der schöne Satz: “Abraham du druckst umsunst. Ein Engel dir aufs Zündloch brunst.”

Der Maler des Bildes aus dem 18. Jahrhundert hatte sicherlich die gleichen Probleme mit der Geschichte wie ich heute auch. Und deshalb hält er sich an den Engel und stellt seine Botschaft in den Vordergrund. Denn Engel sind die Boten Gottes, sie treten in der Bibel immer dann auf, wenn etwas Wichtiges verkündet werden muss. Und dieses „Abraham du druckst umsunst. Ein Engel dir aufs Zündloch brunst“  ist ganz wichtig. Heißt das doch: Egal welche Vorstellungen ich mir vom Willen Gottes mache, Menschen zu opfern gehört nicht dazu. Dem Engel sei dank.

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