Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

Es kann anstrengend sein, zu seinen Schwächen zu stehen. Aber es befreit, wenn ich damit aufhören kann, immer nur meine Schokoladenseiten zu demonstrieren. Es strengt an, seine Schwächen zu akzeptieren. Aber es verändert zum Guten. Vielleicht brauchen das vor allem wir Männer. Schon in der Bibel erzählt einer in einem Brief davon, wie er diese persönliche Befreiung erlebt hat. Heute geht es in den evangelischen Gottesdiensten um diese Erfahrung.

Paulus war dieser Mann. Er war angetreten, die Botschaft von Jesus ins Römische Reich zu tragen. Auch in die griechische Metropole Korinth. Aber die Korinther waren anspruchsvoll. Die musste man beeindrucken. Und Paulus hatte Konkurrenten. Wenn wir Männer konkurrieren, dann passiert uns leicht dieses Muster: Wir müssen unsere Vorzüge zum Glänzen bringen, unsere Stärken stark machen. Unsere Schwächen kaschieren. Mir selber passiert das auch.

Aber Paulus hat es durchschaut dieses Spiel, sich aufzuplustern. Man spürt das in seinem Brief. „Man muss wohl angeben“ schreibt er. Also plustert er kurz mit. Erzählt, womit er religiös glänzen kann. Und dann bremst er sich: „Stopp, Angeberei bringt nichts.“
Wieso nicht? Wahrscheinlich wären die Korinther doch beeindruckt gewesen von so viel „Ich bin der Beste“.

Paulus meint, das bringt nichts. Menschen kann man zwar blenden, aber Gott nicht. Und sich selbst tut man nichts Gutes. Wenn ich – auch mich selbst - mit meinen Stärken blende und meine Schwächen ausblende. Und außerdem: Wenn ich nur auf meine eigene Kraft und Stärke setze, dann überfordere ich mich.

Paulus ist darum wie befreit, als er hört, was Gott verspricht: „Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Denn meine Kraft wirkt gerade da, wo Du schwach bist.“ Da begreift Paulus: Es macht mich nicht klein als Mann, dass ich in manchem schwach bin. Weil ich gerade dann von Gott getragen bin. Und Gott wirkt in mir und durch mich. Angeben, das braucht es nicht mehr.
„Ich kann eigentlich nur mit meiner Schwäche angeben, schreibt Paulus sogar. Weil dann kann die Kraft von Christus bei mir einziehen.

Es befreit, wenn ich nicht mehr um mein Image besorgt sein muss. Und es setzt neue Kräfte in mir frei. Ich kann mich für andere öffnen. Mich sorgen, wie es denen geht. Mensch werden und Christ. Damit schinde ich vielleicht keinen Eindruck, aber es hilft.

2. Kor 12,1-10
Man muss wohl angeben, auch wenn es nichts bringt.

Dann will ich jetzt auf Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn zu sprechen kommen.
Ich weiß von einem Menschen, der zu Christus gehört.
Der wurde vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel emporgehoben. Ich weiß nicht, ob er sich dabei in seinem Körper befand. Genauso wenig weiß ich, ob er außerhalb seines Körpers war. Gott allein weiß es!
3 Ich weiß, was mit diesem Menschen geschah.
Wie gesagt: Ob es mitsamt seinem Körper geschah oder ohne seinen Körper, weiß ich nicht. Das weiß nur Gott allein.
4 Ich weiß aber, dass er in das Paradies emporgehoben wurde. Dort hörte er unsagbare Worte, die kein Mensch aussprechen darf. 5 Im Hinblick auf diesen Menschen will ich angeben. Aber im Hinblick auf mich selbst kann ich nur mit meiner Schwäche angeben.6
 Wenn ich allerdings tatsächlich angeben wollte, würde ich mich damit noch nicht einmal zum Narren machen. Ich würde einfach nur die Wahrheit sagen. Ich verzichte aber darauf.
Denn man soll mich nur nach dem beurteilen, was man direkt von mir sieht oder hört – auch wenn diese Offenbarungen wirklich außergewöhnlich sind.
Aber damit ich mir nichts darauf einbilde, ließ Gott meinen Körper mit einem Stachel durchbohren. Ein Engel des Satans darf mich mit Fäusten schlagen, damit ich wirklich nicht überheblich werde. 8 Dreimal habe ich deswegen zum Herrn gebetet, ihn wegzunehmen.
9 Aber der Herr hat zu mir gesagt:
»Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Denn meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.«
Ich gebe also gerne mit meiner Schwäche an. Denn dann kann die Kraft von Christus bei mir einziehen.
10 Deshalb freue ich mich über meine Schwäche –über Misshandlung, Not, Verfolgung und Verzweiflung. Ich erleide das alles für diese Kraft von Christus.

Denn nur wenn ich schwach bin, bin ich wirklich stark.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25855