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SWR1 3vor8

 (Mk 1, 21-28)
Manchmal fällt mir morgens fast die Zeitung aus der Hand. Vor Erschütterung. Dieser Tage mal wieder als ich von dem fürchterlichen Missbrauchsfall in Freiburg gelesen habe. Von dem 9jährigen Jungen, der die letzten zwei Jahre an Leib und Seele vergewaltigt und Pädophilen für Geld zu sexuellem Missbrauch angeboten wurde. Von seiner leiblichen Mutter und seinem Stiefvater. Das ist unfassbar, unfassbar böse. Einmal mehr ein todtrauriger Beweis für die Existenz der bösen, zerstörerischen Kräfte im Menschen.
In den katholischen Kirchen ist heute ein Text zu hören, in dem es auch um diese bösen und zerstörerischen Kräfte geht. Im Markus-Evangelium wird davon berichtet, wie Jesus bei einem Mann einen Dämon austreibt. Dämon war zur Zeit Jesu das Wort für all die unerklärlich bösen Dinge, die die Menschen seiner Zeit geplagt und zerstört haben. Es lohnt sich hinzuschauen wie Jesus diesen Kräften begegnet ist. 
Als Jesus in Kontakt mit dem Dämon kommt, herrscht Jesus ihn an, gebietet ihm zu schweigen und befiehlt ihm den Mann zu verlassen. Und „…der Dämon zerrte an dem Mann und verließ ihn mit lautem Geschrei“, heißt es im Markus-Evangelium. Jesus muss ein untrügliches Gespür für die bösen und zerstörerischen Kräfte des Menschen gehabt  haben. Und sie als Gegner seiner Liebesbotschaft erkannt und bekämpft haben. Er ist konfrontativ und heilend mit ihnen umgegangen. Hat sie provoziert, allein durch seine heilige Ausstrahlung und sich ihnen in den Weg gestellt. Kompromisslos und unerschütterlich zur Heilung bereit.

Denn bei Kräften wie diesen geht es ums Ganze, ums ganze Leben. Darum, wer den Kampf gewinnt: das Zerstörerische oder das Heilsame? Das Böse oder das Gute? Damals wie heute.Menschen wie beim Freiburger Missbrauchsfall muss Einhalt geboten werden, ihre zerstörerischen Kräfte müssen gestoppt werden. Und sie müssen strengstens bestraft werden. Es muss ihnen aber auch Heilung angeboten werden. Denn, nicht immer, aber oft ist der Grund für ihre Untaten, Untaten an ihnen in ihrer Kindheit. Das Böse pflanzt sich fort wie das Gute. Es gilt dem Rad in die Speichen zu greifen, das Böse zu stoppen. Durch Strafe, aber auch durch Therapie. Sind Menschen, die derart Böses getan haben, nicht zur Therapie bereit, bleibt nur noch die Strafe. Und unsere Aufmerksamkeit für das Böse in der Welt und wo wir es stoppen können…  

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