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SWR1 3vor8

Kein Weihnachten ohne Bachs Weihnachtsoratorium. So war das auch dieses Mal wieder. In vielen Orten wurde das Weihnachtsoratorium aufgeführt und Kirchen und Konzerthallen waren voll. Viele haben sich von Bachs Arien, Rezitativen und Chören die Weihnachtsgeschichte gewissenmaßen ins Herz singen lassen.

Bach war ein musikalisches Genie, keine Frage. Und als frommer Christenmensch hat er gemacht, was er herausragend gut konnte. Er gehörte zu den angesehensten Musikern seiner Zeit. Aber seine Noten unterschrieb er mit Soli Deo Gloria. Allein Gott sei die Ehre.

Ich glaube, genau das meint der Apostel Paulus, wenn er in seinem Brief an die Korinther schreibt: „Wer sich rühmt, der rühme sich Gottes!“ Er hatte von den Weisen und Mächtigen und Vornehmen geschrieben, die sich wunder was eingebildet haben, auch damals schon. Und von den Schwachen und Verachteten, denen Gott nahe steht. Kein Mensch hat Grund, vor Gott stolz zu sein, schreibt Paulus. „Wer etwas loben will, der soll Gott loben!“ Was ich kann, so verstehe ich das, das ist im Grunde ja nicht bloß meine Begabung. Was ich leiste, das ist nicht bloß mein Fleiß. Wenn sie mich loben, dann ist das nicht bloß mein Verdienst. Alles, was ich kann und vollbringe und habe, das habe ich von Gott. Er hat die Begabung in mich gelegt. Er hat mir Menschen gegeben, die mich gefördert haben. Er hat das Glück dazu gegeben, dass mir etwas gelungen ist. Vor allem Gott ist dafür zu loben. Soli Deo gloria!

All das, was er mir gegeben hat, das kann und soll ich einsetzen. Selbstbewusst und furchtlos, ohne danach zu schielen, was wohl die anderen dazu sagen. Ich kann und soll meine Gaben einsetzen, zu meiner eigenen Freude. Auch für meinen Lebensunterhalt, natürlich. Vor allem aber: Für andere. Damit sie Freude daran haben. Damit ihr Leben menschlicher und reicher wird. So wie Bachs Musik mir das Herz wärmt.

Und ich glaube, jeder und jede hat so eine Gabe. Die einen können Musik machen, die anderen Autos reparieren, die einen schreiben neue Apps, andere pflegen Kranke oder hüten Kinder. Und das alles (damit es Menschen gut geht und) Gott zur Ehre. Damit auch andere Grund haben, Gott zu loben. Ich hoffe: Was Gott zur Ehre geschieht – das macht unsere Welt besser. Wie könnte es anders sein.

 

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