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SWR1 3vor8

Wir sollen die Hoffnung nicht aufgeben (Rö 15, 4-13). Mit dieser Aufforderung schließt der Apostel Paulus seinen längsten und wichtigsten Brief. Den kann man in der Bibel nachlesen. Direkt vor den Grüßen, da, wo man das hinschreibt, was unbedingt noch gesagt werden muss: Bleib gesund! Pass auf dich auf! Sei vorsichtig! – Da schreibt Paulus: Wir sollen die Hoffnung nicht aufgeben.

Heute, am 3. Advent, kurz vor dem Jahreswechsel wird das in den evangelischen Gottesdiensten vorgelesen und in der Predigt bedacht. Hoffnung – ja, die brauchen wir heute immer noch, denke ich mir. Manche Menschen reden ja, als ob schon alles zu spät wäre. Deutschland steht vor dem Abgrund, sagen sie. Vom Wachstum profitieren nur die Reichen. Die kleinen Leute haben nichts Gutes zu erwarten. Das wird böse enden.

Und dem Paulus ging es ja auch nicht gerade rosig, als er seinen Brief geschrieben hat. Er saß im Gefängnis, wartete auf seinen Prozess. Die Christen wurden verfolgt und mussten im Untergrund leben. Was gab es da zu hoffen?

Ein paar Zeilen vorher schreibt er, was seine Hoffnung ist. „Wir, die Starken“, schreibt er, „sind verpflichtet, die Schwächen von denen mitzutragen, die nicht so stark sind“. (Rö.15, 1).Das ist seine Hoffnung. Dass das gelingt. Dass die Starken sich für die Schwachen einsetzen. Dass sie sie überhaupt sehen, Die Mehrheit für die Minderheit. Dass die Reichen die Armen mittragen, die Gesunden die Kranken, die jungen die Alten.

Ja, denke ich mir, so könnte es gehen. Wenn der große Bruder dem kleinen aufhilft und ihm hilft, Fahrradfahren zu lernen, statt sich totzulachen über den kleinen Tolpatsch. Wenn die mit den übergroßen Vermögen mehr Steuern zahlen müssten, damit die maroden Schulen saniert werden können und die Krankenschwestern besser bezahlt. Wenn mehr Menschen sich entschließen könnten, eine Patenschaft zu übernehmen für ein verwahrlostes Kind oder für eine Flüchtlingsfamilie, damit die sich besser zurecht finden in unserem Land.

Ja denke ich, das wäre ein Grund zur Hoffnung. Dann könnten auch die Schwachen Hoffnung schöpfen. Sie würden spüren: Menschen setzen sich für mich ein. Es wird besser werden. Die im Dunkeln sitzen, sehen Licht am Ende des Tunnels. Es wird nicht gleich, nicht mit einem Schlag alles besser. Aber es gibt Aussichten. Das motiviert dann auch die, die eigentlich schon aufgegeben hatten.

Wie das möglich werden kann? Paulus hat eine Idee: Gottes guter Geist, schreibt er – der weckt die Hoffnung neu, denn er macht die Starken hilfsbereit.

Und ich denke mir: Anders wird das wohl nichts mit der Hoffnung. Deshalb: Komm, guter Geist! Gib uns die Kraft zu hoffen.

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