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SWR1 3vor8

„Es ist zum Heulen. Für so viele Menschen ist eine gute Zukunft verschlossen, wie ein Buch mit 7 Siegeln. Ist da niemand, der es zum Guten wenden kann, für Arme, für Frauen, für Kinder?“ Dieser Zustand der Welt tut Ihnen weh? Mir auch. Und ich sehe niemand, der unsere Welt wirklich gut machen könnte. Niemand mit viel Geld und niemand mit Macht.

„Es ist zum Heulen“. Klingt wie von heute, diese Klage. In Wahrheit ist sie schon 2000 Jahre alt. Johannes, ein früher Christ, hat sie geschrieben. Vermutlich war er verbannt auf eine Insel vor der heutigen Türkei, von da wurden seine Worte aufs Festland geschmuggelt. Und heute stehen sie im Mittelpunkt der evangelischen Gottesdienste zum 1. Advent.

Sie könnten sich schönere Worte vorstellen für heute, möchten lieber etwas hören von Licht und Wärme und Hoffnung? Ich auch.
Ich glaube, das ist der tiefe Sinn, warum so viele Freude haben an Kerzen. Und am Adventskranz. In uns ist diese Sehnsucht, hell zu machen. Hoffentlich nicht nur in der Wohnung, sondern auch im Leben.

In Beziehungen zB. dass man sich aufeinander verlassen kann und wärmen. Bei der Arbeit: Dass nicht einer die andere ausnutzt, sondern anpackt, anspornt und stützt. Ich sehne mich danach, dass Worte heller machen: Trösten, aufbauen, auch in Kritik. Dass wir lieber singen als brüllen. Und ich sehne mich, dass Macht -wirtschaftliche und politische- das Leben heller macht. Demokratischer. Gerechter. Vor allem für die Schwächeren: Kinder, Arme. Überall. Ich hoffe, diese Sehnsucht erlischt nie.

Johannes auf seiner Insel ist nicht beim Heulen geblieben. Er hat seine Welt nicht schön geredet. Seinen Kaiser schon gar nicht. Damals war einer an der Macht, der Christen drangsaliert hat. Wie heute in manchen Ländern auch. Und trotzdem findet Johannes helle Worte: Einer, sagt er, kann das Buch öffnen. „Jesus ist würdig, die 7 Siegel aufzubrechen.“ Er öffnet gute Zukunft. Hat Johannes geglaubt.

Ich höre daraus: Mit der Welt wird es gut werden, weil sie Gott gehört. Und wenn man sich an Jesus orientiert, wird sie heller. Jetzt schon, hier und heute. Wir können barmherziger und menschlicher. „Es ist nicht zum Heulen. Wir können hoffen.“ Johannes hat es sogar in der Verbannung gekonnt. Als Christ entzünde ich meine Sehnsucht nach der guten Welt immer wieder an Jesus.

Ich finde, man sieht auch schon was davon. Unsere Welt hat sich gebessert seit 2000 Jahren. Weil viele Menschen ihrer Sehnsucht haben Taten folgen lassen. Und ich hoffe, diese Sehnsucht brennt weiter. In diesem Sinn, eine helle Adventszeit.

Kap 5
1 Ich sah: Der auf dem Thron saß, hielt eine Schriftrolle in der rechten Hand. Sie war auf der Vorder- und Rückseite beschrieben und trug sieben Siegel.
2 Und ich sah einen mächtigen Engel. Er rief mit lauter Stimme:
»Wem steht es zu, das Buch zu öffnen und seine Siegel aufzubrechen?« …
4 Ich weinte sehr. Denn es fand sich niemand, dem es zustand, die Schriftrolle zu öffnen und hineinzuschauen. 5Da sagte einer von den Ältesten zu mir:
»Weine nicht! Sieh doch: Der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids, hat den Sieg errungen. Er kann die Schriftrolle und ihre sieben Siegel öffnen!«
8 Und als es die Schriftrolle empfangen hatte, warfen sich die vier Wesen vor dem Lamm nieder…. 9Und sie sangen ein neues Lied. Es lautete: »Dir steht es zu, die Schriftrolle zu empfangen und ihre Siegel zu öffnen. Denn du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut die Menschen für Gott freigekauft – Menschen aus allen Stämmen und Sprachen, Völkern und Nationen. 10 Du hast sie für unseren Gott zu Königen und Priestern gemacht. Und sie werden über die Erde herrschen.«

Offenbarung 5,1-10

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