Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

„Ich will euch nicht im Unklaren lassen.“ Wenn einer einen Satz so beginnt, ist er sich sicher. Er weiß, was Sache ist und will es den andern erzählen. Der Satz stammt von Paulus, er wird heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen. Er schrieb ihn in seinem ersten Brief an die Thessalonicher. Und über was will Paulus die Christen von Thessaloniki nicht im Unklaren lassen? Über die Verstorbenen und wie sich das verhält mit den Toten und der Auferstehung. Da gab es nämlich ein Problem bei den ersten Christen. Sie glaubten, dass Jesus sehr bald wiederkommen wird. Zu ihren Lebzeiten, in den nächsten Wochen, Monaten oder spätestens in einigen Jahren. Deshalb haben sie sich auch nicht lange damit aufgehalten, Programme zu schreiben, Satzungen zu verabschieden, Ämter zu installieren oder gar Kirchen zu bauen. Das kam alles erst später, als Jesus nicht wiederkam und man sich einrichten musste in dieser Welt.

Hier im Thessalonicher Brief, dem ältesten Schriftstück des neuen Testamentes, gab es noch eine so genannte Naherwartung. Man rechnete täglich damit, dass er wiederkommt. Er kam aber nicht und dann starben die ersten. Doch was ist  mit denen, die auf Jesus gewartet haben und nun verstorben sind? Haben die Jesus für immer verpasst? Und da will Paulus die Leute nicht im Unklaren lassen. Er schreibt: „Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen …zur Herrlichkeit führen. Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn: Wir, die Lebenden, die noch übrig sind, wenn der Herr kommt, werden den Verstorbenen nichts voraushaben.“ Paulus ist sich sicher, Jesus kommt bald wieder und wird die Lebenden und auch die Verstorbenen in seine Herrlichkeit führen.

„Naherwartung“ haben heute höchstens kleine christliche Splittergruppen. Die meisten, wenn sie überhaupt noch an die Auferstehung glauben, dann so, dass die erst nach dem Tod kommt. Verständlich, denn man kann nicht  2000 Jahre warten und es passiert nichts.   

„Ich will euch nicht im Unklaren lassen“, ich kann das leider nicht so sicher sagen wie der Heilige Paulus. Seine Gewissheit, dass Jesus schon recht bald wiederkommt, habe ich nicht. Und auch mit seinem Glauben, dass Jesus sowohl die Lebenden als auch die Verstorbenen in seine Herrlichkeit führt, tue ich mich manchmal schwer. Immer wieder kommen mir Zweifel. Und mein großer Glaube wird eher zu einer kleinen Hoffnung. Aber die bleibt.

1 Thess 4,13-18

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25346