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SWR1 3vor8

„Als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus… und er heilte viele Menschen, die an den verschiedensten Krankheiten litten und trieb viele Dämonen aus.“ (Mk 1, 32.34)

Nicht wahr, so stellt man sich Jesus vor. Er heilt die körperlich Kranken und heilt die, die von ihren Ängsten, von Neurosen und Psychosen besessen waren wie von dunklen Dämonen. Jesus, der Wunderheiler. Der alle Probleme lösen kann.
Manche können sich das nicht vorstellen. Da haben seine Anhänger sicher übertrieben, meinen sie. Lasst euch doch nicht für dumm verkaufen. Andere sind enttäuscht: Wenn Jesus im Namen Gottes so sehr helfen konnte – warum hilft er mir dann nicht? Sagen sie. Sie sind krank, und obwohl sie so sehr gebetet haben, ist nichts besser geworden.

Ich glaube, das war damals auch schon so. Längst nicht alle sind gesund geworden. Sicher, man hat alle zu Jesus gebracht. Ist ja klar: es hatte sich herumgesprochen, dass er hier und da geholfen hat. Ich würde es auch probieren und hoffen, dass ich endlich wieder aufleben kann, unbeschwert und ohne Probleme.

Deshalb hat man sie alle zu Jesus gebracht. Und er heilte viele. Allerdings: Nicht alle sind gesund geworden – das war damals genauso wie heute.

Aber vielleicht gibt es eben nicht nur schwarz und weiß, krank oder gesund. Das Leben ist nie nur schwarz und weiß. Es gibt noch etwas dazwischen, glaube ich. Heil werden. Viele hat Jesus geheilt, heißt es. Heil sein bedeutet nicht, makellos, stark und ungehindert durchs Leben zu gehen. Heil sein heißt für mich eher: Mit meinen Problemen und mit meiner Krankheit leben können. Annehmen, was das Leben mir gebracht hat – ohne mir oder anderen Vorwürfe zu machen.

Ich denke an Markus und seine Familie. Markus hat das Down-Syndrom. Und hat der Familie genauso viel Freude gemacht wie die beiden großen Schwestern. Jetzt macht er eine Gärtnerlehre und ist fröhlich dabei. Sicher, ganz ohne Fürsorge und Betreuung wird er nie sein können. Aber seine Mutter sagt: Markus hält unsere Familie zusammen. Es ist ein Segen, dass wir ihn haben – und sie strahlt dabei. Eine heile Familie – man sagt das so. Für Markus und seine Familie ist das das richtige Wort, finde ich.

Nicht alle können ihr Schicksal so annehmen. Sie hatten andere Vorstellungen. Sie können nicht akzeptieren, dass es anders gekommen ist. Sie tragen schwer daran, dass ihr Leben so ist, wie es ist. Manchmal beten wir im Gottesdienst für solche Menschen: Barmherziger Gott, hilf ihnen, den Segen zu sehen, der auch auf ihrem Leben liegt.

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