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SWR1 3vor8

Jes 26,6-10a

Es ist ein wunderschöner Text über den Himmel, über den Idealzustand, der heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird. Er stammt aus dem Alten Testament, aus dem 25. Kapitel des Buches Jesaia. Es heißt dort: An jenem Tag wird der Herr der Heere auf diesem Berg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den besten und feinsten Speisen, mit besten, erlesenen Weinen.“ (Jes 25,6). In diesem einen Satz ist für mich alles Wichtige über den Himmel ausgesagt. Die drei wichtigsten Kriterien werden genannt. Zuerst einmal Frieden. Wenn alle Völker zusammenkommen und miteinander essen und trinken, dann schlagen die sich nicht die Köpfe ein. Das zweite Kriterium für den Himmel: Gerechtigkeit. Alle essen und trinken das Gleiche. Es gibt keine VIP-Lounge und keinen Katzentisch. Und das dritte Kriterium: Leben in Fülle. Man teilt nicht Wasser und Brot, sondern es gibt ein Gelage mit den besten und feinsten Speisen, mit besten erlesenen Weinen.

Ganz schön weit weg dieser Himmel, so hat man das Gefühl. Denn die Völker sind eher bereit, gegeneinander Krieg zu führen als miteinander zu feiern. Und von wegen, alle essen das Gleiche. Die Kluft zwischen reich und arm wird immer größer und weltweit hungern Millionen von Menschen. Da ist an ein Leben in Fülle gar nicht zu denken.

Man kann sich damit abfinden und sich sagen: Ich warte ab. Irgendwann wird der Tag da sein, an dem Gott kommt und aufräumt mit Krieg, Ungerechtigkeit und Armut. Aber das ist nicht im Sinne Jesu. Er spricht vom Himmel, vom Reich Gottes, als einem Senfkorn, das wachsen muss, hier und heute. Er fordert uns auf, so oft wie möglich und für so viele Menschen wie möglich ein Stück Himmel auf die Erde zu holen. Denn der Himmel auf Erden ist zumindest zeitweise möglich – hier und heute. Erst wenn wir das tun, uns immer wieder für Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand für alle einsetzen, können wir getrost auf jenen Tag warten, an dem Gott kommt und für den endgültigen Himmel sorgen wird. Und er – wie es weiter bei Jesaia heißt – den Tod besiegt für immer und die Tränen abwischt von jedem Gesicht. (Jes 25,8)

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