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SWR1 3vor8

Im Urlaub war ich mit meiner Familie einige Tage in einem Kloster. Die Männer, die dort leben, tragen keine Ordenstracht. Sie arbeiten ganz normal in ihren Berufen. Aber sie teilen, was sie besitzen. Und sie leben ehelos zusammen, im Prinzip wie eine große Wohngemeinschaft. Sie treffen sich früh morgens und vor dem Abendessen. Da sprechen sie Psalmgebete aus der Bibel und bringen vor Gott zur Sprache, was sie beschäftigt. Wenn sie zum Beispiel wissen, dass es jemandem gerade nicht gut geht. Und sie reden sich mit „Bruder“ an.

Jesus selbst hat solche Lebensgemeinschaften angeregt. In der Bibel steht das so: Jesus sitzt mit einer Menschenmenge zusammen. Alle hören ihm zu, wie er von Gott erzählt. Und am Ende sagt er: „Wer tut, was Gott will, der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter“ (Mk 3,35). Das gehört übrigens zu der Geschichte, über die heute in vielen evangelischen Gottesdiensten gepredigt wird.

Die Männer, die ich im Kloster getroffen habe, gehören zu einer Bruderschaft. Sie haben sich zusammengetan, weil sie gemeinsam das tun wollen, was Gott will. Genauso gibt es auch Schwesternschaften. Diese Männer und Frauen erzählen zum Beispiel von Gott weiter, helfen Menschen am sozialen Rand oder betreuen Hilfsprojekte in anderen Ländern. Und, wie gesagt, sie reden sich mit „Bruder“ oder „Schwester“ an. Damit drücken sie aus: „Du, Schwester Soundso, gehörst zur Familie von Jesus. Du tust, was Gott will, Jesus nennt dich ‚Schwester’.“

Aber tun, was Gott will, geht natürlich auch anders. Nicht besser, nicht schlechter. Anders. Dass ich zum Beispiel nicht stehle und niemanden umbringe, ist für mich selbstverständlich. Und ich kann auch in meinem Alltag als Familienvater für andere Menschen da sein. Ihnen helfen, sie unterstützen. Ich glaube, dass Jesus auch mich seinen „Bruder“ nennt.

Diese besonderen Brüder und Schwestern im Kloster aber, die haben mich echt beeindruckt. Sie verzichten auf vieles, auf das ich nicht verzichten kann. Eigentlich auch nicht möchte. Sie tun das, was Gott will ganz anders als ich. Dadurch inspirieren sie mich. Ich stoße durch sie auf Dinge, die Gott auch will. Dinge, die ich in meinem Alltag leicht vergesse. Dass ich zum Beispiel wieder mehr für andere Menschen beten kann. Wenn es jemand gerade nicht gut geht, kann ich Gott um Hilfe bitten. Und natürlich kann ich auch wieder mehr schauen, wo jemand Hilfe benötigt. Der Frau mit dem Rollator über die Straße helfen zum Beispiel. Oder ich kann andere beim Helfen unterstützen, indem ich Geld spende. Denn ich kann jetzt nicht ohne weiteres ein Hilfsprojekt in einem anderen Land starten.

Brüder und Schwestern, die mich inspirieren, tun mir und meinem Glauben gut. Daher, macht bitte weiter, liebe Brüder und Schwestern.

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