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SWR1 3vor8

Mt  16,21-27

„Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen!“ Ein harter Satz, den Jesus da spricht. In den katholischen Gottesdiensten ist er am heutigen Sonntag zu hören. Und wem gilt dieser Satz? Nicht irgendeinem Pharisäer oder Schriftgelehrten, mit denen sich Jesus so gerne anlegt. Nein, der Satz gilt Petrus, seinem engsten Freund und Gefährten. Im 16. Kapitel des Matthäus Evangeliums steht er. Petrus macht hier einiges durch. Zunächst hat er eine Sternstunde. Jesus fragt die Jünger: „Für wen haltet ihr mich?“ Und Petrus antwortet vor allen andern: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Daraufhin lobt Jesus ihn: „Selig bist du, … denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, der Fels und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Wie ein König wird er sich da gefühlt haben, der gute Petrus. Und nur wenige Verse später diese Abfuhr: „Geh weg von mir Satan!“ Was war passiert? Jesus spricht auf einmal von seinem Leiden und Sterben. Er müsse nach Jerusalem gehen und dort würde man ihn töten. Das hält Petrus nicht aus, er nimmt ihn bei Seite und macht ihm Vorwürfe: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ Und da weist Jesus ihn zurecht: „Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen!“ Seine Begründung: „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“

Armer Petrus, gerade war er noch der Mann mit dem großen Durchblick, dem Gott geoffenbart hat, wer Jesus eigentlich ist. Und direkt danach ist er wieder der Dumme, der nichts kapiert, der nicht weiß, was Gott will. Und es kommt noch schlimmer. Denn einige Kapitel später, als Jesus gefangen genommen wird, da verleugnet Petrus den seinen Herrn und Meister, direkt dreimal: Ich kenne diesen Menschen nicht. (Mt 26).

Er hatte nicht nur des Öfteren keinen Durchblick, dieser Petrus, sondern er war auch nicht gerade standfest, wenn es kritisch wurde. Und trotzdem ist er der, auf den Jesus seine Kirche aufbauen will.

Für mich bedeutet das: Auch wenn ich nicht immer den Durchblick habe, ich Fehler mache, ja, sogar in wichtigen Momenten versage, darf ich trotzdem darauf hoffen, dass Gott auf mich zählt.

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