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SWR1 3vor8

  (Mt 17, 1-9)

„Großes geschieht, wenn Mensch und Berg sich treffen.“. Das hat der englische Dichter William Blake gesagt. Und genau das passiert in einer Geschichte, die heute in den katholischen Kirchen zu hören ist. Die Geschichte vom Berg der Verklärung.

Jesus nimmt seine Jünger Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führt sie auf einen hohen Berg. Und er wird vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtet wie die Sonne und seine Kleider werden blendend weiß wie Licht. Da erscheinen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elia und reden mit Jesus. Und Petrus sagt zu Ihm: „Wenn Du willst, werde ich hier drei Hüttenbauen, eine für Dich, eine für Mose und eine für Elia. Noch während er redet, wirft eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie und aus der Wolke ruft eine Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe; auf ihn sollt ihr hören“. Als die Jünger das hören, bekommen sie große Angst und werfen sich mit dem Gesicht auf den Boden. Da tritt Jesus zu ihnen, fasst sie an und sagt: „Steht auf und habt keine Angst“. Und als sie aufblicken sehen sie nur noch Jesus. Während sie den Berg hinabsteigen, verbietet er ihnen von dem zu erzählen was sie gesehen haben. 

So weit der Text aus dem Matthäusevangelium. Da ist wirklich was Großes geschehen. Eine Gotteserfahrung. Wie so oft in der Bibel auf einem Berg. Dort, wo sich Himmel und Erde näher sind. Wer schon Berge bestiegen hat, weiß um dieses Gefühl der Erhabenheit, der Erdferne und der Himmelsnähe. Und ich kann mir gut vorstellen wie sich dort oben 2 Erfahrungsebenen verbinden: die reale und die religiöse. Real: wie der Frühnebel von der Sonne beschienen wird und alles überirdisch leuchtet. Religiös: wie die Jünger erschüttert die Göttlichkeit Jesu erkennen. 
Wie er sich verwandelt, ganz da ist und doch ganz weg. Wie sein Gesicht strahlt von Liebe und Licht. Und die Jünger, hineingenommen in diese göttliche Sphäre, sind so erschreckt, verzückt und fasziniert, dass sie dort bleiben wollen, Hütten bauen wollen, sich einrichten wollen dort oben. Aber nein, Jesus fasst sie an, nimmt ihnen die Angst und führt sie wieder herunter vom Berg, zurück in diese Welt. In der ihr Platz ist. Wo sie von dieser Erfahrung nicht sprechen sollen. Sie aber hineinnehmen sollen in ihr alltägliches Leben und dort leuchten lassen…

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