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SWR1 3vor8

Wie können heute wir alle miteinander satt werden? Weltweit hungern fast 800 Millionen Menschen.[1] Fernsehbilder aus Ostafrika oder dem Jemen zeigen, wie schrecklich das ist. Inzwischen ist klar: Hungerkatastrophen entstehen nicht durch Naturkatastrophen oder falscher Technologie, sondern vor allem durch menschengemachte Konflikten. Menschen kämpfen um Ressourcen[2]. Konzerne kaufen Wasser und Land in ohnehin armen Ländern auf, um noch mehr Profite zu machen. Und den Bauern dort fehlt beides, um sich ausreichend zu ernähren.

Der Hunger nach immer mehr Gewinnen in den wohlhabenden Ländern hat etwas mit dem Hunger der anderen zu tun, die zu schwach sind, um sich gegen die Machenschaften der Großkonzerne zu wehren. Auf der einen Seite ein Hunger der Seele nach mehr, auf der anderen Seite - der Hunger des Körpers nach Überleben und beides hängt zusammen. Wie kann man diesem Hunger begegnen?

Kann es Haltungen und Einstellungen geben, die den Hunger in der Welt mindern?

Jesus hat einmal gesagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern.“ (Joh. 6, 35)
J
esus und das, was er gesagt hat – wie Brot. Nahrhaft und gesund und nachhaltig. Für Leib und Seele. Etwas, wovon man leben kann. Heute wird darüber in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt.  Wie Jesus den Hunger von Leib und Seele stillen kann?

Ich glaube, man muss abbeißen von diesem Brot. Auf ihn hören. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Lasst euch genügen, was ihr habt, hat er gesagt. Euer himmlischer Vater wird euch versorgen. Davon muss man abbeißen und kauen.

Wir wohlhabenden müssten uns immer wieder sagen lassen: Ihr habt, was ihr braucht. Schaut euch doch um! Geht es euch nicht gut? Es gibt viele, die das sagen könnten, meine ich. Aber viele finden dann auch: Es könnte ruhig ein bisschen mehr sein. Und noch ein bisschen mehr. Ich brauche das einfach. Aber so übersieht man aber leicht, was andere brauchen. Und dann geht es wie beim Brot auch: Schließlich ist man pappsatt und träge und bequem und so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass man nichts mehr tun kann für die anderen, die hungern.

„Ich habe, was ich brauche“. Ich glaube, das ist ein Satz, an dem wir Wohlhabenden in den Ländern des Westens zu kauen haben. Irgendwie will das keiner hören, dass es reicht. Denn der Satz müsste ja weiter gehen: Also kann ich abgeben. Teilen.

Ich bin sicher, auch die Hungernden hätten dann genug Brot.



[1]http://de.wfp.org/welternaehrung.
[2] M.Engelhard/B.Rühl, Menschengemachte Hungersnot. Die Krise in Ostafrika (www.deutschlandfunk.de vom 7.4.2017)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24710