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SWR1 3vor8

Es gibt Aufgaben, die sind eigentlich zu groß für einen Menschen, glaube ich. Als Angehöriger am Krankenhausbett über Leben und Tod entscheiden müssen. Kann das ein einzelner Mensch? Aber auch ganz alltäglich gibt es zu große Aufgaben. Ein Kind groß zu ziehen. Wie soll ich das schaffen – ich bin doch auch nur ein Mensch, der Fehler macht.

Im Bibeltext, über den heute in vielen evangelischen Gottesdiensten gepredigt wird, kommt auch einer vor, der eine riesengroße Aufgabe haben wird. Simon heißt er, ist Fischer von Beruf. Er ist aufgeweckt, vielleicht ein bisschen vorlaut. Zu dem sagt Jesus: „Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Dich wird man Kephas nennen“ (Joh 1,42). Kephas ist aramäisch und bedeutet „Fels“. Die lateinische Übersetzung dieses Spitznamens lautet Petrus. Unter dem Namen ist Simon bis heute bekannt.

Das Ganze klingt zunächst unspektakulär. Ein Spitzname eben. Für Petrus war es aber der Beginn einer großen Aufgabe. Später war er nämlich der Erste, der von Jesus weiter erzählt hat. Und Simon, der vorlaute Fischer, soll das schaffen? Mutig von Jesus erzählen? Auf die Idee wäre damals wohl niemand gekommen. Vielleicht nicht mal Simon Petrus selbst.

Jesus hat es ihm aber zugetraut. Von Anfang an. Das fängt damit an, dass er ihn wahrnimmt. Und dann findet Jesus die Worte für das, was er in diesem Simon sieht: „Dich wird man Kephas nennen.“ Ich glaube, das war für Simon enorm wichtig. Er hört, wie ihm einer vertraut. Wie ihm einer mehr zutraut, als er sich vielleicht selbst. Ich glaube, das setzt Kräfte frei. Mehr als man sich selbst vornehmen kann. Und Simon Petrus wird sich später daran erinnern können, wenn es mal nicht so läuft.

Wenn einem jemand etwas zutraut: das setzt Kräfte frei. Ich glaube, so etwas passiert oft auch im Alltag heute. Bei jungen Eltern zum Beispiel. Wenn das Kind das erste Mal „Mama“ oder „Papa“ sagt, setzt das neue Energie frei. Da vertraut mir jemand, dass ich mich gut kümmere. Das gibt Kraft. Oder Angehörige, die über lebenserhaltende Maßnahmen entscheiden müssen. Die können daran denken: „Da hat mich jemand gezielt ausgewählt. Hat etwas in mir gesehen.“ So können sie mutig entscheiden.

Manchmal denke ich: So ist das wohl mit all den Aufgaben, die mir irgendwie zufallen oder übertragen werden. Da steckt immer auch Gott mit drin. Die Aufgaben meines Lebens – Gott traut sie mir zu. So wie Jesus dem Simon Petrus etwas zugetraut hat. Daran kann ich mich erinnern, wenn es mir nicht gut geht oder ich eine schwere Entscheidung treffen muss. Gott sieht mich an. Er sieht was in mir. So kann ich Aufgaben anpacken.

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