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SWR1 3vor8

  (1 Petr 4, 13-16) 

Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass ich als Christ öffentlich über meinen Glauben reden darf. So wie jetzt hier im Radio. In anderen Ländern wäre das unvorstellbar, ja wäre ich mit dem Tod bedroht, wenn ich erkennbar als Christ lebe. In Nordkorea vor allem, in Afghanistan, Pakistan, Somalia, Syrien oder dem Irak. Im Irak zum Beispiel lebten im Jahr 2003 noch 1,4 Millionen Christen. Heute sind es noch 300.000. Das Christentum ist heute die am meisten unterdrückte und verfolgte Religion auf der Welt. Das war nicht immer so. Es gab Zeiten da haben die Christen andere Religionen bekämpft und Menschen anderen Glaubens getötet. Die Kreuzzüge, die Conquistadores oder die Judenverfolgung mögen als Beispiele genügen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Christen leben ihren Glauben heute gewaltfrei, weltweit. Doch nun werden sie vielerorts unterdrückt, verfolgt oder gar getötet. Wie darauf reagieren? Die gängige menschliche Reaktion auf Bedrohung ist Verstecken, Flucht oder Angriff. Das Christentum hat dieser Reaktionsweise eine weitere hinzugefügt: sanftmütiges Aushalten, keine Gewalt anwenden. Dafür werden Christen zwar immer wieder für naiv gehalten oder für nicht durchsetzungsfähig. Aber mit dieser Haltung befinden sie sich im Zentrum ihres Glaubens.  
In den Katholischen Kirchen ist heute ein Text zu hören, in dem es genau darum geht. Auch schon 50 Jahre nach Jesu Tod werden seine Anhänger angefeindet und bedroht. Der Verfasser des 1. Petrusbriefes versucht sie mit Sätzen wie diesen beiden zu ermutigen: „Wenn einer von Euch leiden muss, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott verherrlichen, indem er sich zu diesem Namen bekennt…

Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr selig zu preisen; denn der … Geist Gottes ruht auf Euch.“  

Ein kleines Wort ist mir in dieser Passage wichtig: Selig – ein schönes Wort. Es beschreibt einen Gemütszustand, der nicht von dieser Welt ist, und es doch ist. Die Bibel weiß, dass er vom Geist Gottes kommt. Ein Gemütszustand, der von Sanftmut, Geduld und Güte geprägt ist. Eine Haltung, in der die Menschen an Gottes Welt heranreichen. Schon jetzt, schon hier. Nicht umsonst wird ein solch friedvoller Zustand auch himmlisch genannt. Und jede Religion, die nicht eitles oder gewaltsames Menschenwerk ist, lehrt und lebt diese Haltung.

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