Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

Wo kann man Gott finden und wie? Zu allen Zeiten haben die Menschen sich das gefragt, in allen Religionen. Und sie haben ihm Häuser gebaut, Tempel, Moscheen, Kirchen. Gotteshäuser eben. Einen geschützten Raum, wo man in der Stille zu Gott finden kann. Prachtvolle Räume, wo man sich gewissermaßen zu seiner Herrlichkeit erhoben fühlt. Manchmal auch wehrhafte Räume mit starken Mauern drum herum, in die sich ein ganzes Dorf flüchten konnte, wenn Feinde angerückt sind. In Gottes Haus konnte man sich sicher fühlen und geborgen. Deshalb wurden und werden Gotteshäuser gebaut.

Aber eines haben die Menschen schon früh erkannt: Gott wohnt nicht auf der Erde. In der Bibel zum Beispiel ist das Gebet überliefert, das der weise König Salomo gebetet hat bei der Einweihung des Tempels in Jerusalem. Vor fast 3000 Jahren war das. Salomo hat gebetet: „Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?“ „Nicht einmal der Himmel kann dich fassen!“ betet er, als ob er schon damit rechnet, dass auch so ein prächtiges Gotteshaus zerstört werden kann und irgendwann nicht mehr ist.

Schon zur Zeit Salomos haben die Menschen offenbar begriffen: Die Gotteshäuser – die bauen die Menschen vor allem für sich selbst, aus ganz verschiedenen Gründen.

Wo und wie kann man Gott aber dann finden? Salomo hat eine Antwort. „Wende dich zum Gebet deines Knechts“, bittet er. Wenn man demütig zuhört, so, meint er das wohl, dann kann man Gott finden. Beim Beten. Nicht, indem man beim Beten besondere Rituale beachtet, Kerzen anzündet, Verbeugungen ausführt oder so etwas. Sondern weil Gott sich finden lässt, wenn Menschen beten. Wende dich zu mir, hat Salomo gebetet. Sei mir nahe. Hat denn nicht Gott versprochen: Ich bin denen nahe, die mich anrufen?

Gepredigt wird über diese Einsicht des weisen Königs Salomo heute, am Fest Christi Himmelfahrt. Da erinnern sich Christen an diese merkwürdige Geschichte, wie Jesus vor den Augen seiner Jünger weggenommen wird „wie in einer Wolke“. Wie das genau passiert ist, das kann ich mir nicht so richtig vorstellen. Aber mir sagt es: Es gibt keinen Ort, wo ich nur hingehen muss, dann begegne ich Jesus. Aber wo Menschen beten, da ist er mit seinem Geist. In einem Gotteshaus finde ich Ruhe und Konzentration dazu. Und ich bleibe nicht allein mit meinem Gebet, denn allein bleibe ich leicht an meinen eigenen Sorgen und Befürchtungen hängen. Wo Menschen gemeinsam zu ihm beten, wo sie nicht bloß wünschen, sondern auch zuhören, auch wenn es unbequem für sie ist: da wendet Gott sich ihnen zu. Gibt neuen Mut. Tröstet. Zeigt einen Weg. Wenn Menschen beten, lässt Gott sich finden. Überall unter dem Himmel.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24297

(1 Petr 3, 15-18)

„Wem das Herz voll ist, dem läuft der Mund über“. So ein altes Sprichwort. Wer sich also über etwas freut oder von was begeistert ist, der will, ja der muss wohl davon reden. Der christliche Glaube ist nicht nur etwas bei dem es sehr ernst um erste und letzte Dinge geht, sondern auch um Freude, Begeisterung und Glück! Und darum wird auch so viel beim Glauben und über den Glauben geredet. Aber wie redet man vom Glauben? Wie redet man richtig oder angemessen über ihn? Dabei gibt es verschiedene Gefahren. Ein bisschen ist es so wie bei beim Reden über die Liebe. Erzähle ich zum Beispiel wenn ich frisch verliebt bin jemandem, der Pech in der Liebe hat von meinem Glück, dann tut ihm das weh. Erzähle ich jemandem, der gerade nichts von der Liebe wissen will von meinen Liebeserfahrungen, dann kann das diesen Menschen irritieren oder gar verärgern. Ähnlich ist es mit dem Glauben. Der Glaube ist ja schon auch eine sehr persönliche, ja fast intime Angelegenheit. Und darum ist es manchen Menschen peinlich, wenn Gläubige sehr offen, sehr selbstverständlich oder sehr detailliert über ihren Glauben reden.          
In den katholischen Kirchen ist heute ein Text zu hören, der meine Leitlinie für das Reden über meinen Glauben ist. Er steht im 1. Petrusbrief und geht so: „ Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach dem Grund der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig; denn ihr habt ein reines Gewissen.“
Drei Dinge sind mir dabei wichtig: Zum einen das Gefragt werden. Das bedeutet für mich nicht aufdringlich zu sein. Ich möchte meinen Glauben anbieten wie einen Apfel auf einem Silbertablett. Der lecker riecht und schön anzusehen ist. Den man mitnehmen, aber auch liegenlassen kann. Zum anderen sind mir die beiden Worte „ehrfürchtig“ und „bescheiden“ wichtig. Ich will weder protzen noch prahlen mit meinem Glauben. Und mir immer bewusst sein, dass ich beim Glauben über das Heiligste spreche, das es gibt. Und schließlich: mit „reinem Gewissen“. Das heißt für mich, dass ich das, worüber ich rede, auch wirklich lebe…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24296